Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

5. November 2018 von Cassandra Bouffier


Internationaler Weltfrauentag

Oder: Feminismus bekommt man nicht geschenkt

 

Hallo, meine Lieben!

Heute jährt sich Weltfrauentag zum 104ten Mal, und dazu passend wurde vor zwei Tagen die Frauenquote im Bundestag durchgeprügelt. Allerdings hat Elitepartner diese Woche in einer Online-Umfrage auch herausgefunden, dass 43% der Frauen demnächst eine Diät planen, aber nur 31% Karriere machen wollen. Tja! Wie es aussieht, haben wir Frauen den neuen Feminismus noch nicht so ganz verinnerlicht. Glücklicherweise gibt es jedoch Geschlechtsgenossinen, die uns anhand praktischer Beispielen erläutern können, wie gelebter Feminismus aussehen kann.

In der Kolumne von Daniel Dettling auf „The European“ las ich in diesem Zusammenhang einen Artikel über Anne Wizorek (Initiatorin von #aufschrei und Autorin des Buchs „Weil ein Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus von heute“). Darin steht unter anderem:

Auf die Frage eines verunsicherten Journalisten, wer sich nachts dem Einbrecher entgegenstellen soll, der Mann oder die Frau, antwortet die Netzfeministin allen Ernstes: „Die Antwort ist doch klar: Sie sollten – ganz partnerschaftlich – mit Ihrer Frau zusammen da runter gehen und die Sache gemeinsam klären.“

:whut:

Sorry! Aber wenn das der neue Feminismus ist, bleibe ich lieber beim alten und am Leben. Meinen Partner würde ich die Sache allerdings auch nicht „klären“ lassen, sondern die Polizei rufen. Mich würde allerdings brennend interessieren, was Frau Wzorek mit „klären“ gemeint hat. Sollte man dem Einbrecher erläutern, dass sein Verhalten absolut inakzeptabel ist? Oder einen Arbeitskreis bilden und seine Probleme besprechen? Oder ihm mit dem Nudelholz gemeinsam eins überbraten? Hm? Letzteres dürfte wohl nicht in Frage kommen, vermute ich mal. Schließlich wenden ja nur Männer Gewalt an; Frauen sind im besten Fall Heilige und im schlimmsten Fall Opfer. Zumindest ist das die These einiger Hardcore-Feministinnen, die aber immer mehr um sich zu greifen scheint. Zu diesem Thema hat Gebhard Roese von „Die Liebe pur“ gestern auch einen interessanten Artikel geschrieben: Weltfrauentag: warum die Veredlung der Frauen aufhören muss. Bei dem Abschnitt

„Eltern (auch Väter) lehrten ihre Kinder, dass Frauen schutzbedürftige, empfindsame Wesen mit zarten Seelen seien, man mit ihnen anderes reden und an denen man anders handeln müsse, als dies bei Männern der Fall sei. An diesem letzten Satz hat sich wenig geändert.“

fiel mir eine Geschichte aus meiner Kindheit ein.

In unserer Nachbarschaft gab es ein Mädchen (nennen wir es mal Sabine), das ständig jüngere Kinder terrorisierte und verprügelte. Sabine war sieben, ich fünf und eins ihrer bevorzugten Opfer. (Später erfuhr ich, dass ihr Vater sie auch immer geschlagen hatte.) Irgendwann bekam mein Vater mit, wie ich wieder mal heulend nach Hause kam, und wollte wissen, was los sei. Ich erzählte es ihm.

„Was?!“, rief er. „Die schlägt dich?! Du gehst jetzt sofort zurück und haust ihr eine runter!“
„Thomas!“, rief meine Mutter entsetzt. „Cassandra kann sich doch nicht prügeln!“
„Sie soll sich nicht prügeln, sondern lernen, sich zu wehren“, erwiderte mein Vater.
Er nahm mich an der Hand und ging mir mir zu dem Platz, wo wir immer spielten. Etwas davon entfernt blieb er stehen.
„Siehst du sie?“, fragte er.
Ich nickte.
„Dann geh jetzt zu ihr!“

Ich wusste nicht, wovor ich mehr Angst hatte: Vor der größeren und stärkeren Sabine oder vor meinem erbosten Vater. Ich entschied, dass Sabine das kleinere Übel war. Auf dem Weg zur ihr drehte ich mich immer wieder um. Und mein Vater deutete immer wieder mit dem Arm nach vorne. Als ich Sabine erreicht hatte, grinste sie mich an und schubste mich. Ich drehte mich ein letzte Mal um: Mein Vater holt aus und verpasste einem imaginären Gegenüber eine Ohrfeige. Und ich schlug auch zu. Sabines verblüfftes Gesicht werde ich nie vergessen. Ich holte nochmals aus und verpasste ihr noch eine. Und noch eine. Stürzte mich auf sie und schlug wieder zu. Hinter mir hörte ich meinen Vater „Cassandraaa! Es reiiicht!“ brüllen. Kurz darauf zerrte er mich von der kreischenden und heulenden Sabine weg, nahm mich auf den Arm und trug mich nach Hause.
„Ich bin sehr stolz auf dich“, sagte er. „Aber wenn dein Gegner auf dem Boden liegt, musst du aufhören.“

Das war mit die wichtigste Lektion, die ich von meinem Vater gelernt habe: Man sollte nie angreifen, aber es ist legitim, sich zu wehren. Allerdings gehört dazu nun mal auch ein gewisses Maß an Aggressivität.

Ich finde es toll, wenn Männer Windeln wechseln und mit ihren Kindern spielen und schmusen; in meinem Umfeld gibt es jede Menge liebevolle Väter. Aber sollen die wirklich den letzten Rest ihrer Männlichkeit einem fragwürdigen Feminismus opfern? Oder wäre es nicht sinnvoller, Töchtern beizubringen, wie man sich durchsetzt und/oder Sexisten, Ignoranten und Dumpfbacken abwatscht?

Es muss ja nicht zwingend mit Backpfeifen sein. :zwinker:

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

2 Kommentare

  1. Liebe Cassy,
    nein, besser mit einem Mundwerk wie ein Schwert, einer guten Portion Humor und Schlagfertigkeit sowie stabilem Selbstbewusstsein.

    Es könnte auch hilfreich gewesen sein, sie nicht nur mit „Mädchensachen“ alleine zu lassen. Ich werde sie mal fragen.
    Liebe Grüße
    M

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