Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

25. Januar 2014 von Cassandra Bouffier


Es muss nicht immer vögeln sein

Oder: Wann Dirty Talk abstumpft

 

Hallo, meine Lieben!

Eine Zeit lang habe ich vermehrt Erotik-Romane gelesen; aus Interesse, was denn die Mitbewerber so schreiben. Und habe festgestellt, dass Erotik heutzutage oft mit sehr eindeutigen Begriffen gleichgesetzt wird.

Damit habe ich per se kein Problem. Ich finde es allerdings abstoßend, wenn man nur noch solche Begriffe um die Ohren geschlagen bekommt. Davon mal abgesehen, dass es keine Steigerung gibt. Ich kann aus einem Schw*nz zwar einen Riesenschw*nz machen, mehr aber auch nicht. Das so ähnlich, als ob man sich nur noch P.orn.os ansieht. Die Reizüberflutung lässt einen mit der Zeit abstumpfen. Und was dann?

Dass die frühere „Gossensprache“ mittlerweile Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch gefunden hat, sieht man an allen Ecken und Enden. Facebook, Twitter, Blogs und so weiter. Was verständlich ist, da die Hemmschwelle sinkt, wenn man nicht jemanden direkt gegenübersteht. Auch Frauen mischen hier kräftig mit. Und es gib genügend Männer, die das toll finden. Und damit auch noch hausieren gehen. Ist okay! Jeder soll nach seiner Fasson leben. Ich allerdings hege nicht das geringste Interesse an einem Mann, der es hinausposaunt, wenn ich ihn im trauten Heim mitteile, dass ich mit ihm vögeln möchte. Da bin ich altmodisch.

Außerdem ist man dem Nachwuchs kein gutes Vorbild. Das müssen nicht mal die eigenen sein. Eine Freundin hatte mir vor einiger Zeit völlig entsetzt mitgeteilt, dass das pubertierende Töchterlein ihr die frohe Botschaft überbrachte, sie hätte am Vorabend ihren Freund gef*ckt. Von ihr hat sie das definitiv nicht!

Der eine oder anderen wird jetzt das Argument bringen, dass schon immer solche Begriffe in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeflossen sind. Stimmt! Aber nur vereinzelt. Auch das Argument, es wären doch nur Worte, lasse ich nicht gelten. Arschloch ist auch nur ein Wort. Das mag in bestimmten Fällen lustig oder auch fast zärtlich gemeint sein; wenn ich jemanden aber ständig so nenne, wird der über kurz oder lang unter Garantie sauer werden.

Dann gibt es noch die Verniedlichungen. Möschen und Fötzchen sind zurzeit in Erotik-Literatur auch sehr beliebt. Mit dem jeweiligen Protagonisten tut man sich dann aber schwer. Was verständlich ist, denn „Sein Schwänzchen ragte hoch vor ihm auf“ dürfte wohl eher für Heiterkeitsausbrüche als für anregendes Lesevergnügen sorgen. Außerdem finde ich, dass solche Begriffe etwas Kindliches haben. Meine Luderdose ist erwachsen. Warum sollte ich sie also kleiner machen, als sie ist?

Da ist mir der altmodische japanische Begriff „ein Kopfkissen teilen“ fast lieber. Obwohl ich manchmal befürchte, dass es genug Leute gibt, die das überhaupt nicht verstehen würden. Weil man dabei ja nachdenken muss.

Meines Erachtens ist es mit der Erotik und diesen Ausdrücken ähnlich wie mit Essen und Gewürzen. Sparsam eingesetzt verleihen sie im einem wie im anderen Fall den gewissen Pfiff. Aber ein Zuviel schadet beidem auch.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

31 Kommentare

  1. Ich rede manchmal bewußt derb. Gern auch als Kontrast gegenüber spießiger Sachlichkeit. Während es in einer Beschreibung des Vorganges, sagen wir, während einer Filmrezeption aber noch passt, würde man sich nach dem Tatort bestimmt nicht fragen, ob man nicht noch ein bisschen das Glied in die Vagina einführen möchte. Während eine adäquate Formulierung sich aber im Zusammenspiel mit dem Partner automatisch fügt, so fiele es mir tatsächlich schwer, im Geschriebenen die richtigen Worte für Sexualhandlungen zu treffen. Vermutlich werde ich deshalb immer dazu verdammt sein, in Sachen der Fiktion eine verquere Komik bezüglich des Geschlechtsverkehrs an den Tag zu legen.

  2. Weniger ist da manchmal mehr, da stimme ich dir absolut zu.
    Und mit manchen Worten kann ich irgendwie gar nicht, weil sie für mich zu sehr den Schimpfwortcharakter haben um erotisch zu wirken. Das finde ich dann eher abstoßend. Auch wenn man das Wort noch verniedlicht oder sonstwas damit macht. Aber das ist ja wie immer Geschmackssache ;)

    • Es gibt genügend Frauen, die diese Bücher kaufen und auch entsprechend gut bewerten. Denn wie heißt es so schön? Wat den Eeenen sin Uhl, dat is den Annern sin Nachtigall. :lach:

  3. Liebe Frau Cassy,
    Sprache ist immer eine Reflektion der aktuellen Kultur. Dass unsere gegenwärtige Kultur nich von Eleganz und Interlekt geprägt ist verdanken wir in erheblichem Umfang den Medien und den fehlenden erzieherischen Druckmitteln unserer Schullehrer. Nicht zu vergessen den „neuen“ Kommunikationsmöglichkeiten wie SMS, Twitter usw. die eine stark rudimentäre Kurzschrift erzeugt haben.
    All das spiegelt sich dann auch in der Literatur wieder in der heute neben eigentlichen Literaten genügend aufmerksamkeitsgeile Irgendwiepromis sich in Feuchtgebieten herumtreiben.
    Die erwähnte Reizüberflutung tut ihr übriges. Wo früher noch Pornofilme auf VHS im reinen abgetrennten Erwachsenenbereich zu finden waren, reicht heute die Eingabe einer Webadresse und man hat für die nächsten 150 Jahre zu gucken.

    Alles folgt dem Motto Quantität statt Qualität und zumindest ich bedauere das sehr.

    Was den derben Ton angeht – deb gab es auch früher zu Zeiten der Hutträger schon, aber eben nur im stillen Kämmerlein, als Diskretion noch ein beliebtes Stilmittel war.

    Also: unsere Hoffnung ruht auf Ihnen und Ihrem Werk! ;)

    • PS: der Edit-Button funktioniert (zumindest beim Eipäd) nicht… :-(

      • Das kann durchaus sein. Beim EiPäd funktioniert ja so einiges nicht. Ich kann mich dort z.B. auch nicht ausloggen, sondern muss über die META-Funktion gehen. Auf dem PC funktioniert es jedenfalls.

    • Natürlich gab es den derben Ton zu allen Zeiten. Ich kenne auch viele Männer, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie unter sich sind. Das ist für mich okay. Das tun sie aber weder in der Öffentlichkeit und schon gar in Anwesenheit von Frauen. Im Gegenteil! Wenn eine Frau sich auf dieses Niveau begibt, ist sie gleich abgestempelt. Das mag man richtig oder falsch finden, aber in diesem Fall pfeif ich auf Emanzipation.

  4. Ich musss gestehen, ich habe noch nie erotische Literatur gelesen. Deshalb kann ich diesbezüglich nicht mitreden. Allerdings: M*schen, Schw***chen etc – da würde ich nur in Lachen ausbrechen. Ich finde die meisten Ausdrücke für diese Dinge eh irgendwie lächerlich… Ich bin aber auch nicht so der Typ, der überhaupt drüber redet, ich mache lieber ohne viele Worte ;)

    F*cken etc gibt’s aber doch schon lange in der Umgangssprache. Allerdings nicht in meinem Bekannten- Freundeskreis, und da bin ich ganz froh drum. Man MUSS es ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit so ausdrücken.
    „Ein Kissen teilen“ finde ich wiederum dann doch zu „prüde“. Das hat für mich dann schon wieder eine gewisse Komik, wieso sagt man nicht einfach „Sex haben“. Punkt.
    ;)

    • Ohne große Worte übereinander herfallen ist immer noch die beste Form des Sex‘. :biggrin:

      In meinem Umfeld wird das auch nicht benutzt. Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten sollte.

      Das mit dem Kissen finde ich originell. Es ist halt mehr die romantische Schiene. :zwinker:

  5. M*schen und F*tzchen, mmhhh, ich glaub ich muss auch mal so einen Roman lesen, würde aus dem Lachen wohl nicht mehr rauskommen….und sowas soll erotisch sein? Tzzztzz

  6. Da fällt mir ein, als meine Tochter 8 Jahre alt wurde, da kam in der Schule das Wort M*schi auf. Das haben die Mädels in der Klasse wohl alle gesagt, also war es dann so, untenrum hieß jetzt auf einmal M*schi. Irgendwie kam ich da nicht so klar drauf, aber Frau Spanksen fragte mich ob ich eine bessere Alternative hätte. Nun ja, immer nur „untenrum“ zu sagen zählte wohl nicht mehr, und eine richtige alternative hatte ich auch nicht, also musste es jetzt wohl erst mal so sein. Man ist ja ein moderner, junger türkischer Papa, also Zähne zusammenbeißen und durch wenn das Wort fällt!
    Eines Tages spielte die beste Freundin meiner Tochter bei uns und sie musste sich ständig untenrum jucken. Dann kam sie zu mir und sagte…
    „Murat, meine M*schi juckt“ :shock:

    :shock: :shock: :shock: :shock: :shock: :shock:

    Yep, genau so hab ich aus der Wäsche geguckt! Ich sofort zum Telefon gerannt, die Mutter angerufen und gesagt

    „Ute, we have a serious MAJOR Problem – du musst sofort kommen!!!“

    Ich sach dir, man(n) hat das schon nicht einfach mit den Mädels ;)

  7. @ Mendweg & Judy
    Tut mir leid, aber das verstehe ich nicht! Was wär denn anders, wenn der 8-jährige Sohn zu der Mutter eines Freundes geht und in aller Unschuld „Frau Meier/Müller/Schulze, mein Schw*nz juckt“ sagt, weil er das z.B. in der Schule aufgeschnappt hat?

    • Okay, sogesehen… *hust*

      :shock: :rofl:

    • Was da anders ist? Ganz einfach, das Thema Mißbrauch von Minderjährigen ist hauptsächlich ein Thema Männer vs Mädchen. Und als erwachsener Mann kann man gar nicht vorsichtig genug sein, weil da draussen genügend selbsternannte Kinderschänderjäger unterwegs sind die sich ganz schnell was zusammenphantasieren. Und wenn da erst mal ein falscher Verdacht geweckt wurde wirst Du den NIE mehr los.

      Ich vermeide grundsätzlich mit kleinen Mädchen alleine zu sein, auch wenn ich es sehr bedauere da sehr unentspannt sein zu müssen…

      Neulich lief ein kleines Mädchen alleine durch das Einkaufszentrum – ich bin da mit Sicherheitsabstand beobachtend drangeblieben und war heilfroh als die Familie auftauchte.

      • So hatte ich Spanksens Kommentar nicht verstanden.

        Aber Du hat recht: Heutzutage wird man schneller verurteile, als das noch vor Jahren der Fall war. Dazu gab es vor Kurzem bei „Der Zeit“ einen interessanten Artikel.

        • So war mein Kommentar auch nicht gemeint, es ging mehr um die Kuriose Szene und das gewisse Themen einfach “ Frauen/Mädchchenthemen“ bleiben sollten ;) Ansonsten muss mann mit der Thematik locker umgehen, die Kinder sollen das natürlich alles als ganz normal kennenlernen

        • Toller Artikel!
          Und was das Thema Mißbrauch von Minderjährigen angeht finde ich es auch schlimm, daß das immer nur in die eine Richtung geht. Andersrum kommt nämlich auch vor. Redet nur kaum einer drüber…
          Aber das ist ein anderes Thema.

  8. Ich setze mich momentan auch reichlich mit Sprachen auseinander. Da bin ich wirklich froh, dass nur 17% der Kommunikation über die gesprochene Sprache übermittelt werden und der Rest über Körper, Gestik und Mimik….und da wird es schwer vulgär zu werden ;-)
    Derb kann gut sein und in gewissen Situationen das Feuer anheizen, aber in regulären Situation sind sie doch meist fehl am Platz.

    • Ich glaube Frauen können da eine ganz andere Geschichte erzählen – nämlich die wie unglaublich vulgär und obszön Männer mit Gesten und Mimik werden können!

    • Im Laufe meine Lebens bin ich leider genügend Prolls begegnet, die meinten, durch obszöne Gesten auf sich aufmerksam machen zu müssen. Vielleicht schreibe ich dazu auch mal einen Artikel. :zwinker:

  9. Ich habe mir gerade die „Fifty shades of grey“ gekauft, weil das hier in den USA derzeit vom Geheimtipp zum Hype wurde. Naja – ich hab nach den ersten paarnsiebzig Seiten aufgehoert, war dann doch nicht so fesselnd. Trotz der klischeehaften Pruederie hat Amerika ja schliesslich einen Henry Miller hervorgebracht, der in Sachen eindeutiger Sprache und Beschreibungen nichts zu wuenschen uebrig liess – da ist der oben genannte Roman direkt harmlos dagegen. Und Henry Millers Werk galt und gilt schliesslich als Weltliteratur :mrgreen: Trotzdem steht er nicht offen in meinem Buecherregal, da ich meine Kids noch einen Hauch zu jung dafuer finde und Besucher nicht irritieren moechte. :lol:

    Und ja, ich achte mittlerweile strikt darauf, Gossensprache und vulgaere Ausdruecke auf sehr private Augenblicke, bei denen es passt *hust*, zu beschraenken, seit dem meine damals knapp vierjaehrige Tochter ihren 6 jaehrigen Bruder an einer Ampel nach einem Streit mit hochrotem Kopf als „A*lochwi*ser“ titulierte. Ich hatte den Ausdruck noch nie vorher von einem der Kinder gehoert und waere am liebsten vor Scham im Boden versunken…

    • Hallo, Anja, und willkommen auf meinem Blog!

      Ich könnte mir vorstellen, dass Amerika ähnlich ist, wie die BRD in den 50ern. Nach außen hin Biedermann und hinter den Kulissen macht man all das, was eigentlich verpönt ist. In dem Zusammenhang finde ich es vielsagend, dass die meisten P.orn:os in den Staaten gedreht werden. Jährlich um die 10.000 Filme.

      Kinder schnappen das überall auf. Und wenn es eine Unterhaltung zwischen zwei Erwachsenen am Sandkasten ist. Die Meisten vergessen das nur zu oft. „Die verstehen das nicht“ ist ein Satz, bei dem ich immer die Augen rolle. Die müssen das nichts verstehen. es reicht völlig, wenn sie es nachplappern. :biggrin:

  10. Ja, mit dem Gebrauch des Sex-Vokabulars verhält es sich wie mit Glutamat – einmal drauf, verliert man schnell den Gespür für das Feine und Natürliche, irgendwie.

  11. Ich musste nun echt lachen…vor Jahren lass ich mal „Josephine Mutzenbacher“ und ich habe Tränen gelacht… Ich bin auch eher der Typ der Dinge ausspricht, Sex haben ist ein netter Ausdruck und bringt es auf dem Punkt. Fi***n und v***eln habe ich auch kein Problem damit aber nicht als Standartvokabular.
    Es kommt drauf an mit wem und in welcher Situation man ist :mrgreen:

    @ Spanksen

    Ich habe zwei Söhne und auch eine Tochter. Mittlerweile ist sie 23 Jahre alt und somit habe ich so einige nette Situationen auch hinter mir… :mrgreen:
    Mit 5 hatte sie eine Zahnspange und konnte dadurch das „Z“ nicht aussprechen.
    Situation wie folgt…
    Sie läuft durch den Supermarkt mit ihrem Cousin (7 Jahre) und schreit aus voller Kehle…“Mama, Mama Christoph *ickt mich dauernd!!!“ :grouch: :whistle:

  12. Kann ich mir vorstellen. Oder man denke an die alten Oswald Kolle-Filme, bei denen jeder „Skandal!“ gerufen hatte. :biggrin:

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