Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

5. November 2018 von Cassandra Bouffier


Moderne Männer suchen moderne Frauen

Oder: Warum Emanzipation nichts mit Frauenquote zu tun hat

 

Hallo, meine Lieben!

Unsere Mütter und Großmütter haben in den letzten Jahrzehnten Großartiges geleistet. Moderne Frauen haben heutzutage die Möglichkeit, sich nach eigenem Gusto zu verwirklichen: Karriere machen, heiraten, Single bleiben und/oder Mutter werden; alle Türen stehen uns offen, alles ist möglich.

In der BRD befinden sich 72% der Frauen in einem Arbeitsverhältnis. Damit rangieren wir mit den Skandinaviern auf den vorderen Plätzen der Statistik. Schauen wir aber näher hin, sehen wir, dass viele in so genannten „weniger qualifizierten“ Berufen arbeiten und es aufgrund dessen schon teilweise gewaltige Unterschiede im Lohn-Niveau gibt. In gleichen Berufsgruppen hingegen verdienen Frauen zu Beginn der Karriere kaum weniger als Männer. Das ändert sich erst im Laufe der Zeit. Wenn sie eine Babypause machen, durch fehlende Netzwerke und durch falsche Einschätzung ihrer Arbeitsleistung bei Gehaltsverhandlungen.

Sehen wir uns einmal die prozentuale Verteilung typischer Männer- und Frauenberufe an:

Typisch männlich
Typisch weiblich
Ausgeglichen

Hier kann man sehr gut sehen, dass 25% der Frauen Geschäftsführer oder Unternehmer sind. Und ja! Ich benutze hier bewusst nicht das (mir sowieso verhasste) Binnen-I, weil sich mittlerweile immer mehr moderne Frauen davon distanzieren. Woher ich das weiß? Sehe ich an den Visitenkarten, die ich in letzter Zeit in die Finger bekam.

Da in Deutschland gerade mal 39 (2012) Frauen „ganz oben“ mitmischen, nehme ich an, dass hier auch die Frauen erfasst wurden, die – wie ich – zwar selbständig sind, aber keinerlei wirtschaftlichen Einfluss haben. Woran liegt das? Behindern uns die Männer? Oder ist die Politik daran schuld? Eine Mischung aus beidem?

In der aktuellen Ausgabe des Focus steht auf der Titelseite sehr reißerisch „Wir wollen keine Frauenquote“ inklusive der Bilder von „starken“ Frauen, die dagegen sind. Liest man im Gegenzug den Artikel der Süddeutschen erkennt man, wie arrogant und aus feministischer Sicht sogar kontraproduktiv diese Einstellung ist. Die männlichen Führungskräfte ziehen sich nämlich ihren Nachwuchs nach wie vor aus der männlichen Riege heran. Hier unterstelle ich nicht einmal bösen Willen, sondern „das war halt schon immer so“. Die Frauenquote drückt nicht Frauen mit aller Gewalt nach oben, sondern dient schlicht der Unterbindung immer noch vorhandener Diskriminierung. Um mal Thomas Sattelberger, den ehemaligen Personalvorstand der Telekom zu zitieren: „Zu behaupten, dass Qualität allein entscheidet, ist Hybris“. (Hybris = Hochmut, Übermut) Die Frauenquote dient also dazu, qualifizierten Frauen (vorübergehend) als Sprungbrett in die Etagen zu dienen, die sie ohne nicht erreichen würden. Mittlerweile gibt es ja auch genügend Beispiele, dass Frauen mit den entsprechenden Qualifikationen genauso ihren „Mann“ stehen können wie ihre maskulinen Kollegen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass Frauen – gerade, weil sie Ziele und Probleme anders angehen als Männer – nur eine Bereicherung sein können.

Wir sind uns also einig, dass sich zumindest der Versuch lohnt, Frauen auf dem Weg nach oben zu unterstützen. Stellt sich die nächste Frage: Wie viele Frauen wollen das denn überhaupt?

Meine Antwort: „Keine Ahnung! Ich kenne nämlich nicht eine einzige, die „richtig“ Karriere gemacht hat, gerade macht oder machen will.“

Wat is?!?

Ja! Die zwei einzigen Frauen, die ich sich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis befinden und einen gut bezahlten Job (gewaltiger Unterschied) in einem männlichen Beruf haben, sind die Abteilungsleiterin eines Autoteile-Zulieferers und eine System-Programmiererin. Die haben aber beide eine relativ geregelte Arbeitszeit und ausreichend Freizeit. Eine hat ein Kind. Auch ich arbeite in einer so genannten Männer-Domäne, hatte aber nie den Drang „nach oben an die Spitze“. Mein Motto ist „Ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben“. Die Aussicht auf eine 60-, 70- oder 80-Stundenwoche und einen Herzinfarkt Mitte 40 erschien mir einfach nicht sonderlich erstrebenswert. Dafür kenne ich eine Menge selbständiger Frauen, die das ähnlich sehen. Und die arbeiten im Dienstleistungsbereich.

Mädchen sind erwiesenermaßen die besseren Schüler. Aber bei der Wahl des Studienfachs entscheiden sich moderne Frauen dann doch eher für die typisch weiblichen Fächer. Und auch hier stellt sich die obligatorische Frage nach dem Warum?

Ich beantworte das mal relativ platt mit „Weil wir Frauen – historisch gesehen – keine Kampfkultur, sondern eine Sozialkultur haben.“ Ob das jetzt genetisch oder kulturell bedingt ist, spielt dabei keine Rolle. Es gibt moderne Männer, die gerne in Sozialberufen arbeiten. Es gibt moderne Frauen, die es toll finden, Karriere zu machen und einen Großkonzern zu leiten. Aber die Mehrheit verhält sich „ihren Rollen“ entsprechend.

Für Frauen bedeutet Geld nicht Macht und Kontrolle, sondern Sicherheit und Autonomie.

Das erklärt auch, warum bei der Partnerwahl oft noch Wert auf den Status gelegt wird. Der Partner soll „etwas darstellen“ und vorzeigbar sein. Weniger verdienen ist okay. Wenn er studiert. Dann sollte er aber seinen Beitrag zum Familienleben leisten. Kaum eine Frau würde sich „nach unten“ orientieren und einen Partner auswählen, den sie durchfüttern muss. Es sei denn, der Partner wird arbeitslos. Dauert dies aber länger an, stellt das die Partnerschaft auf eine harte Probe, weil dadurch das Selbstwertgefühl des Mannes extrem belastet wird.

Jetzt können wir schon mal ein Zwischen-Fazit ziehen:
Moderne Frauen haben sich emanzipiert und sind wirtschaftlich von den Männern unabhängig (wenn sie es wollen). Moderne Männer sind immer noch von den Frauen wirtschaftlich unabhängig. Moderne Frauen leben eher Sozialkultur. Moderne Männer eher Kampfkultur. Moderne Frauen orientieren sich bei der Partnerwahl lieber „nach oben“. Moderne Männer eher „nach unten“.

Im Grunde genommen eine gute Basis für die Partnerwahl. Die früher so oder ähnlich auch gelebt wurde. Was hat sich also in den letzten 50 Jahren geändert?

Die Wunschlisten moderner Frauen! Wo es früher völlig ausreichend war, Geld und ein gesellschaftliches Ansehen zu haben, sind die Ansprüche an die modernen Männer heutzutage teilweise uferlos.

<- Moderne Frauen suchen moderne Männer
Moderne Frauen gegen moderne Männer ->

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

12 Kommentare

  1. 7:15 Uhr, die verdammt beste Zeit, sich unbeliebt zu machen. 😀

    Ich bin bei diesem Frauen-in-Führungspositionen-Ding zwiegespalten.
    Das liegt aber weniger an fachlichen Bedenken, sondern daran, daß die allermeisten Frauen sehr Hormongesteuert sind – vom Zickenterror mal abgesehen.

    Was ich allerdings für sehr sinnvoll halte, sind „Doppelspitzen“. Also quasi Unternehmen, die von gleichberechtigten männlichen und weiblichen Geschäftsführern gelenkt werden. Das kann – in manchen Branchen – von Vorteil sein.

    • Komm Herr Applejünger, wie wenn ihr Kerle nicht auch homongesteuert wärt. Oder ist Testosteron neuerdings kein Hormon mehr? 😀

      Beim Zickenterror kann ich Dir aber leider nur zustimmen. Daher arbeite ich auch lieber mit Männern zusammen. So nestbeschmutzerisch das jetzt auch klingen mag 😎

    • Na ja! Zwei dieser hormongesteuerten Exemplare sind überaus erfolgreiche Fondsmanger. Lilian Co machte sich während der Finanzkrise 2007 selbständig und zählt heute laut Dachfondsmanager Eckhard Sauren zu den weltweit besten. Und Isabel Levy schaffte etwas, das Dutzenden ihrer Kollegen nicht gelang: Die Metropole Selection unbeschadet durch die Finanzkrise zu bringen. :zwinker:

      Mit dem Herumgezicke gebe ich Judy und Dir allerdings recht: Was Streitkultur angeht, haben Frauen jede Menge Nachholbedarf.

      Doppelspitzen in den Führungsetagen ist auch etwas, das ich befürworte. Warum aber nur in manchen Branchen? Personalführung und Finanzmanagment (in dem Frauen erwiesenermaßen weniger risikobereit sind) gibt es in allen Sparten.

  2. Faszinierend. Ich stelle gerade mal so nebenher fest, dass als meine beruflichen Anforderungen letztes Jahr gestiegen sind meine haushaltlichen zurück gingen.
    Normalerweise bestand die Heldin darauf, dass ich auch viel im Haushalt tue.
    Gut, wann immer es mir die Zeit erlaubt helfe ich dabei, aber die Forderung selbst ist nicht mehr da. Ich kann mich frei auf meine Arbeit konzentrieren. Huch…50er-Jahre Rollenmodell? Naja so argh wohl nicht.

    • Ich nehme an, dass die Heldin die Notwendigkeit erkennt, keine Forderungen an Dich zu stellen. Schließlich kannst Du Dich nicht zweiteilen. Vielleicht weiß und vertraut sie darauf, dass Du wiede mehr hilfst, wenn es Deine Zeit zulässt. Das hat nichts mit 50er Jahre zu tun.

      Das Schlimme in der heutigen Zeit ist, dass es zu viele Leute gibt, die anderen erklären wollen, wie eine Partnerschaft auszusehen hat. Ähnliches gilt übrigens auch für Mütter. Da ist es teilweise sogar noch heftiger. Es wird schon fast ein religiöser Kult entwickelt, ob eine Mutter weiter arbeiten oder zu Hause bleiben sollte.

      Eure Partnerschaft funktioniert? Drauf gepfiffen, welche Meinung andere dazu haben! Lasst Euch um Himmels Willen nichts anderes einreden! Diejenigen, die herumkriteln, sollen erst einmal beweisen, dass sie es besser können. :zwinker:

  3. Das was der Herr Applejünger sagt – minus die Hormonbemerkung. Das triff nämlich wohl auf beide Geschlechter zu. Ganz wider die Natur kann auch heute halt keiner 😉

    Und ja – die Männer sind für Macht und Kontrolle eher bereit, sich mit Mitte 40 nen Herzinfarkt zu holen. Ich kenne auch keine Frau, die da so scharf drauf ist. Aber ne Menge Kerle.

  4. Ach, nochwas: Wenn der Mann sehr viel arbeitet und dafür auch wirklich RICHTIG Kohle anbringt – dann müßte er mir auch nicht im Haushalt helfen. Denn dann gibt’s ne Haushaltshilfe. So einfach. 😉

  5. Seltsam, mich interessiert bei anderen Menschen ziemlich bis gar nicht was sie machen, sondern nur ob ich mich mit ihnen irgendwie weiterentwickeln werde oder einfach nur Spaß haben kann.
    Frauen zickenstreiten und Männer bekriegen – kann man alles mit entsprechenden Gesprächen beenden. 😎

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


:-) 
;-) 
:D 
:mrgreen: 
:lol: 
:rofl: 
:-B 
:bravo: 
:winken: 
:clown: 
XD 
:cool: 
:razz: 
:yes: 
:whistle: 
:blush: 
:( 
:mad: 
:cry: 
:roll: 
mehr...