Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

11. März 2021 von Cassandra Bouffier


Moderne Frauen suchen moderne Männer

Oder: Warum der moderne Machismo nicht funktionieren wird

 

Hallo, meine Lieben!

Es ist erstaunlich, was moderne Frauen und Männer so alles auf die Füße stellen und auf sich nehmen, um einen Partner zu finden. Single-Börsen, Speed-Datings, Partner-Vermittlungen, Ü-30-Partys, Blind Dates und so weiter und so fort. In Zeitungen und im Internet findet man zuhauf Tipps, wie man am besten in der Zeit vor, während und nach der Partnerschaft agiert und reagiert. Heerscharen von Wissenschaftlern unterstützen das alles nach Kräften. Es werden computergesteuert Listen mit Gemeinsamkeiten erstellt, Feromone verglichen, Gesichter analysiert, Zeiten bis zur Entscheidungsfindung gemessen et cetera. Aber klappen will das alles trotzdem nicht so recht.

Moderne Frauen sind zu emanzipiert, moderne Männer eiern herum. So der Tenor. Also müssen neue Konzepte her. War es vor ein paar Jahren noch der Frauenversteher und letztes Jahr der Alpha-Softie, ist es heute der modern Machismo, der gefragt ist. Der Mann soll sich wieder auf seine Stärken besinnen und wieder mehr „er selbst“ sein.

Klingt gut! Im ersten Moment. Wenn man aber ein bisschen tiefer bohrt, wird man feststellen, dass das nicht das Problem ist. Die Männer müssen nicht mehr Macho sein, sondern möchten, dass moderne Frauen weniger emanzipiert sind. Macho ist der Großteil nämlich schon. Oder wie ließe es sich erklären, dass Männern nach wie vor nicht damit leben können, wenn Frauen mehr verdienen als sie selbst, oder kaum ein Mann auf die Idee kommt, wegen Kindern zu Hause zu bleiben.

Bei einem Pärchen in meinem Umfeld verdiente sie doppelt so viel wie er. Die Partnerschaft lief eine Zeit lang relativ gut. Bis sie ein Kind bekamen. Auf sein Drängen hin blieb sie zu Hause.

Modern? Gleichberechtigt? Oder eMANNzipierungswürdig? Ich denke, eher nicht. Sobald eine Frau den Wunsch hat, Kinder zu bekommen, wird sie sich in solchen Fällen immer noch nach dem Mann richten oder ihr Kind alleine großziehen müssen.

Letzteres tut meine Bekannte inzwischen.

Schauen wir uns doch einmal an, woher das Wort „Emanzipation“ überhaupt stammt:
Emancipare (lateinisch): einen Sklaven oder erwachsenen Sohn aus der mancipatio (Übereignung nach Römischem Recht) in die Eigenständigkeit zu entlassen.

Aha!

Dazu noch ein paar Fakten.
Bis 1919 durften Frauen nicht wählen.
Bis 1958 galt das Alleinentscheidungsrecht des Ehemannes. Das hieß, die Frau durfte nur mit seinem Einverständnis arbeiten bzw. der Mann konnte das Arbeitsverhältnis der Frau kündigen.
Bis 1980 gab es kein Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz sowie das Recht auf gleiches Entgelt
Bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe kein Straftatbestand

Ist einer der geneigten Leser immer noch der Meinung, Männer müssten sich emanzipieren?

Kommen wir noch mal zum Thema „Männer eiern herum“.

Stimmt! Aber aus ganz anderen Gründen, als immer vorgeschoben. Männer passen sich nur sehr ungerne an. Ihnen ist es viel lieber, wenn man sich nach ihnen richtet. Natürlich mögen sie starke moderne Frauen, die im Beruf erfolgreich sind. Aus der Ferne. Da sind die nicht so bedrohlich. Wenn sie aber einer solchen Frau über den Weg laufen, wird es schwierig, um nicht zu sagen: Da prallen Welten aufeinander.

Nehmen wir mal die Geschäftsführerin eines x-beliebigen Mittelstands-Unternehmens. Sie muss die entsprechenden Qualifikationen haben, sich bei ihren Mitarbeitern sowie den Konkurrenz-Unternehmen Respekt verschaffen und jeden Tag Entscheidungen treffen, die dem Unternehmen und den Mitarbeitern Geld und Zukunft sichern. Wir sind uns wohl einig, dass sie das nicht mit einem Kuschelkurs erreichen wird? Okay! Diese Frau, die jährlich Millionen umsetzt, jederzeit unangenehme Entscheidungen treffen muss (und es auch tut) und die für hunderte von Leuten verantwortlich ist, macht um – sagen wir mal – 19:00 Uhr Feierabend, geht auf einen Absacker in die nächste Bar, trifft einen Mann und …

Und was? Legt einen imaginären Schalter um und mutiert zum Weibchen? Wohl kaum!

Männer akzeptieren moderne Frauen, die im Beruf besser sind sind als sie selbst. Die mehr Grips haben. Die mehr Geld verdienen. Sie werden diese Frauen vielleicht sogar bewundern. Aber sie werden sich nur in den seltensten Fällen in diese verlieben. Weil moderne Frauen Konkurrenten und keine potentiellen Lebensgefährtinnen sind.

Ja! Männer eiern herum. Aber nicht, weil sie ihre „neue“ Rolle noch nicht gefunden hätten. Die „Alten“ mussten ihre antiquierten Rollen per Gesetz räumen und können sich mit der neuen nicht anfreunden. Die „Jungen“ von der wachsenden Anzahl allein erziehender Mütter hatten noch nie ein maskulines Rollen-Vorbild und müssten sich erst einmal in eine hineinfinden. Was mehr als schwierig werden dürfte.

Dazwischen gibt es noch die Paare, bei denen beide arbeiten müssen, er aber mehr verdient. Paare, bei denen er arbeitet und sie die Kinder groß zieht. Und letztendlich einige, wo sie gleich viel verdient. Wie sieht es hier mit den Rollen aus? Bei erstem kommt es darauf an, wie „macho“ der Mann ist. Bei zweitem werden sich die Jungs aller Wahrscheinlichkeit nach an dem klassischen, gut funktionierenden Rollen-Modell orientieren. Bei drittem wird sich kaum ein ideales Rollen-Modell entwickeln können, weil die Gefahr groß ist, dass es zu ständigen Machtkämpfen des „lieben Geldes wegen“ kommt.

Wieso? Weil der die Macht hat, der das Geld hat. Wie weit der Partner in die Entscheidungen mit einbezogen wird, hängt von dem Wohlwollen des Geldbeschaffers, des Ernährers ab. Verdienen beide gleich viel, haben beide auch gleiche Macht, sprich: gleiche Rechte.

Das ist eine Aussage ganz ohne Wertung. Völlig pragmatisch. Aber Fakt!

Eine Partnerschaft ist ein Tauschgeschäft. Sozusagen ein Basar der Liebe. Quid pro quo! Ich gebe dir etwas und bekomme im Gegenzug etwas von dir zurück. Das hat nicht nur mit Geld zu tun. Dabei geht es auch um Gefühle, Aufmerksamkeiten, Sex und so weiter. Es wird bestimmt keiner behaupten, völlig selbstlos in eine Partnerschaft hineinzubuttern, ohne dass ihn irgendwann der Frust packt, weil er nichts zurück bekommt. Oder doch? Die Frage ist nur: Wer zahlt was und wie viel?

Bevor die Single-Männer also Listen abarbeiten und an den Auswirkungen herumschrauben und -basteln, sollten sie besser an die Ursache gehen und sich fragen: „Was will ich haben? Was bin ich bereit, zu investieren? Und was kann ich tatsächlich bekommen?“

Spätesten dann werden sie merken, dass Wunsch und Wirklichkeit so gar nicht zusammenpassen wollen. Weil moderne Frauen eine ganz andere Preisliste haben.

Moderne Männer suchen moderne Frauen ->

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

17 Kommentare

  1. Ich denke schon, dass Männer ihre Rolle noch finden müssen. Aber gleiches gilt auch für Frauen. Die wollen nämlich empanzipiert sein, nutzen aber häufig nur die Vorteile der Emanzipation. Deswegen eiern beide bei der Partnerwahl und in vielen anderen Bereichen des Lebens so rum. In Deutschland sind wir nämlich weit von der Emanzipation entfernt, wie sie zum Beispiel in den skandinavischen Ländern zu finden ist. Aber wir arbeiten alle dran und manche Männer brauchen dafür vielleicht Listen. Aber es ist doch toll, dass sie sich überhaupt Gedanken über eMANNzipierung machen, oder? 🙂

    • Wie will man seine Rolle finden, wenn man nicht weiß, welches Stück gespielt wird?

      Es ist immer gut, wenn man sich Gedanken über eine Situation macht, die in Schieflage geraten ist. Ich sage nur, dass Listen nicht weiterhelfen werden bzw. werde noch schreiben, dass Listen sogar hinderlich sein können.

  2. Tja….einfach ist das nicht!
    Ich selbst verdiene mehr als meine Heldin. Stellenweise muss ich auch mal den Macho raushängen lassen – ich glaube sie findet das ganz süß. Genauso finde ich es süß, wenn sie die eifrige, freurige, engarierte Frau raushängen lässt.
    Wir haben für uns festgestellt, dass alle Rollen mal bedient werden müssen. So lässt sie mich gerne die Grobarbeit (Haus&Garten) verrichten und ich freue mich, wenn ich mit der Axt oder anderem groben Werkzeug rumspielen darf – auch wenn ich handwerklich gänzlich unbegabt bin.
    Ein Geben und Nehmen. Wir haben unsere Rollen gefunden und keiner buttert besinnungslos in die Beziehung. Die Zeit füreinander und miteinander muss man sich nehmen. Wir haben sogar einen Termin in der Woche dafür, damit garantiert ist, dass wir uns die nehmen. Gut, wir sind beide äußerst berufstätig und daher müssen wir auch Termine abgleichen etc – was nicht alle unsere Freunde verstehen.

    • Was ist schon einfach, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. 🙂

      Eure Partnerschaft funktioniert; das ist das Einzige, was zählt, Es ist toll, dass Ihr die Balance gefunden habt, die so vielen fehlt. Und Termine auszumachen, um sich dem Menschen zu widmen, den man liebt, ist eine hervorragende Idee. Das hatte ich vor einiger Zeit auf meinem Blog auch schon mal empfohlen. 😉

      In diesem und dem nächsten Artikel geht es auch mehr um die Single-Männer, die anscheinend völlig orientierungslos auf der Suche nach dem Mann-sein sind. :biggrin:

  3. m2c: Reduziert sich der Machismo wirklich auf das Einkommen? Wären zwei ‚wirklich‘ zusammen, kommt doch ‚eh ein Großteil in einen Topf, …. . Außerdem: Kerle können nicht gönnen, hier ist mehr Wettkampf oder zumindest statusmäßiges vergleichen im Vordergrund.

    • Nein, natürlich nicht! Aber es trägt einen Großteil dazu bei. Nicht jeder, der mehr verdient als seine Frau, ist ein Macho. Aber man kann davon ausgehen, dass jeder Macho gesteigerten Wert darauf legt, auf keinen Fall weniger zu verdienen und dadurch seine Überlegenheit zu sichern.

      Der Machismo reduziert sich nicht nur auf das Geld, sondern legt auch einen Schwerpunkt darauf, „Männlichkeit“ zuzulassen. Nur haben wir hier – wie bei vielen anderen „Ismen“ das Problem, dass eine genaue Definition fehlt. Was ist männlich und wer legt das fest? Hier schlagen Männer in die gleiche Kerbe des Vorurteils, das sie uns Frauen immer vorwerfen. Alle Männer sind gleich!
      Sorry! Halte ich für Nonsens.

    • Ich glaube, der Gedanke des Machismo ist nicht, dass der Mann mehr verdienen soll. Ein Mann soll vielmehr wieder zu seinen männlichen Stärken zurückfinden, ohne dabei Macho sein.

  4. Abo vergessen… *tüdelü*

  5. Wir sind da ein sehr pragmatisches Paar. Der MasterChief hat zwar auch Elternzeit genommen (2 Monate), aber jetzt bleib ich zuhause, und er geht wieder arbeiten. Wieso? Weil er mehr verdient. Allerdings werde ich auch wieder arbeiten, bei der dauerhaften Hausfrauenrolle hätte ich nie zugestimmt. Irgendwie hat sich das aber bei uns ergeben, ohne große Diskussionen. Was bin ich froh drum. Vielleicht hab ich auch kein Problem damit, weil ich nicht auf eine Führungsposition aus bin. Keine Ahnung. Und wegen der Macht – nunja, bei uns kommt alles in einen Topf. Und da ich mich um die Finanzen kümmere, hat der MasterChief da praktisch nix zu sagen :-B
    Nee, Quatsch, aber auf der Kohle hab tatsächlich ich die Hand, eben weil ich das besser kann. Und der Herr ist froh, dass er das nicht machen muß. :mrgreen:

    Die Arbeitsteilung funktioniert perfekt, und ich wundere mich halt, dass manche heutzutage sich mit ihren überzogenen Ansprüchen echt selbst das Leben schwer machen. Frauen wie Männer.

    • Wenn ich das richtig in Erinnerung habe (und ich hoffe, ich plaudere jetzt kein Geheimnis aus), ist es bei Dir aber auch die zweite Ehe. Es gehört m.E. eine gewisse Reife dazu, um eine gute Partnerschaft zu führen.

      Dass die Frau sich um das Finanzielle kümmert, ist keine Seltenheit. Mit Vernunft und Weitsicht ist sie erfahrungsgemäß sogar der bessere Finanzminister. :lach:

      Mit dem „überzogen“ triffst Du den Nagel auf den Kopf. Was anderes ist es nämlich wirklich nicht.

      • Stimmt, und nein, kein Geheimnis 😉

        Richtig, ich kenne auch viele Partnerschaften, wo die Frau der Finanzminister ist. Von daher spielt zumindest bei denen kaum die männliche Geld=Macht(gier) eine Rolle.

  6. Frauen WIE Männer. Orrr…

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  8. Was bin ich froh dass ich nicht modern sein muss, sondern nur ehrlich und authentisch…