Cassys Blog

über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

Moderne Frauen suchen moderne Männer

Hallo, meine Lieben!

Es ist erstaunlich, was moderne Frauen und Männer so alles auf die Füße stellen und auf sich nehmen, um einen Partner zu finden. Single-Börsen, Speed-Datings, Partner-Vermittlungen, Ü-30-Partys, Blind Dates und so weiter und so fort. In Zeitungen und im Internet findet man zuhauf Tipps, wie man am besten in der Zeit vor, während und nach der Partnerschaft agiert und reagiert. Heerscharen von Wissenschaftlern unterstützen das alles nach Kräften. Es werden computergesteuert Listen mit Gemeinsamkeiten erstellt, Feromone verglichen, Gesichter analysiert, Zeiten bis zur Entscheidungsfindung gemessen et cetera. Aber klappen will das alles trotzdem nicht so recht.

Moderne Frauen sind zu emanzipiert, moderne Männer eiern herum. So der Tenor. Also müssen neue Konzepte her. War es vor ein paar Jahren noch der Frauenversteher und letztes Jahr der Alpha-Softie, ist es heute der modern Machismo, der gefragt ist. Der Mann soll sich wieder auf seine Stärken besinnen und wieder mehr „er selbst“ sein.

Klingt gut! Im ersten Moment. Wenn man aber ein bisschen tiefer bohrt, wird man feststellen, dass das nicht das Problem ist. Die Männer müssen nicht mehr Macho sein, sondern möchten, dass moderne Frauen weniger emanzipiert sind. Macho ist der Großteil nämlich schon. Oder wie ließe es sich erklären, dass Männern nach wie vor nicht damit leben können, wenn Frauen mehr verdienen als sie selbst, oder kaum ein Mann auf die Idee kommt, wegen Kindern zu Hause zu bleiben.

Bei einem Pärchen in meinem Umfeld verdiente sie doppelt so viel wie er. Die Partnerschaft lief eine Zeit lang relativ gut. Bis sie ein Kind bekamen. Auf sein Drängen hin blieb sie zu Hause.

Modern? Gleichberechtigt? Oder eMANNzipierungswürdig? Ich denke, eher nicht. Sobald eine Frau den Wunsch hat, Kinder zu bekommen, wird sie sich in solchen Fällen immer noch nach dem Mann richten oder ihr Kind alleine großziehen müssen.

Letzteres tut meine Bekannte inzwischen.

Schauen wir uns doch einmal an, woher das Wort „Emanzipation“ überhaupt stammt:
Emancipare (lateinisch): einen Sklaven oder erwachsenen Sohn aus der mancipatio (Übereignung nach Römischem Recht) in die Eigenständigkeit zu entlassen.

Aha!

Dazu noch ein paar Fakten.
Bis 1919 durften Frauen nicht wählen.
Bis 1958 galt das Alleinentscheidungsrecht des Ehemannes. Das hieß, die Frau durfte nur mit seinem Einverständnis arbeiten bzw. der Mann konnte das Arbeitsverhältnis der Frau kündigen.
Bis 1980 gab es kein Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz sowie das Recht auf gleiches Entgelt
Bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe kein Straftatbestand

Ist einer der geneigten Leser immer noch der Meinung, Männer müssten sich emanzipieren?

Kommen wir noch mal zum Thema „Männer eiern herum“.

Stimmt! Aber aus ganz anderen Gründen, als immer vorgeschoben. Männer passen sich nur sehr ungerne an. Ihnen ist es viel lieber, wenn man sich nach ihnen richtet. Natürlich mögen sie starke moderne Frauen, die im Beruf erfolgreich sind. Aus der Ferne. Da sind die nicht so bedrohlich. Wenn sie aber einer solchen Frau über den Weg laufen, wird es schwierig, um nicht zu sagen: Da prallen Welten aufeinander.

Nehmen wir mal die Geschäftsführerin eines x-beliebigen Mittelstands-Unternehmens. Sie muss die entsprechenden Qualifikationen haben, sich bei ihren Mitarbeitern sowie den Konkurrenz-Unternehmen Respekt verschaffen und jeden Tag Entscheidungen treffen, die dem Unternehmen und den Mitarbeitern Geld und Zukunft sichern. Wir sind uns wohl einig, dass sie das nicht mit einem Kuschelkurs erreichen wird? Okay! Diese Frau, die jährlich Millionen umsetzt, jederzeit unangenehme Entscheidungen treffen muss (und es auch tut) und die für hunderte von Leuten verantwortlich ist, macht um – sagen wir mal – 19:00 Uhr Feierabend, geht auf einen Absacker in die nächste Bar, trifft einen Mann und …

Und was? Legt einen imaginären Schalter um und mutiert zum Weibchen? Wohl kaum!

Männer akzeptieren moderne Frauen, die im Beruf besser sind sind als sie selbst. Die mehr Grips haben. Die mehr Geld verdienen. Sie werden diese Frauen vielleicht sogar bewundern. Aber sie werden sich nur in den seltensten Fällen in diese verlieben. Weil moderne Frauen Konkurrenten und keine potentiellen Lebensgefährtinnen sind.

Ja! Männer eiern herum. Aber nicht, weil sie ihre „neue“ Rolle noch nicht gefunden hätten. Die „Alten“ mussten ihre antiquierten Rollen per Gesetz räumen und können sich mit der neuen nicht anfreunden. Die „Jungen“ von der wachsenden Anzahl allein erziehender Mütter hatten noch nie ein maskulines Rollen-Vorbild und müssten sich erst einmal in eine hineinfinden. Was mehr als schwierig werden dürfte.

Dazwischen gibt es noch die Paare, bei denen beide arbeiten müssen, er aber mehr verdient. Paare, bei denen er arbeitet und sie die Kinder groß zieht. Und letztendlich einige, wo sie gleich viel verdient. Wie sieht es hier mit den Rollen aus? Bei erstem kommt es darauf an, wie „macho“ der Mann ist. Bei zweitem werden sich die Jungs aller Wahrscheinlichkeit nach an dem klassischen, gut funktionierenden Rollen-Modell orientieren. Bei drittem wird sich kaum ein ideales Rollen-Modell entwickeln können, weil die Gefahr groß ist, dass es zu ständigen Machtkämpfen des „lieben Geldes wegen“ kommt.

Wieso? Weil der die Macht hat, der das Geld hat. Wie weit der Partner in die Entscheidungen mit einbezogen wird, hängt von dem Wohlwollen des Geldbeschaffers, des Ernährers ab. Verdienen beide gleich viel, haben beide auch gleiche Macht, sprich: gleiche Rechte.

Das ist eine Aussage ganz ohne Wertung. Völlig pragmatisch. Aber Fakt!

Eine Partnerschaft ist ein Tauschgeschäft. Sozusagen ein Basar der Liebe. Quid pro quo! Ich gebe dir etwas und bekomme im Gegenzug etwas von dir zurück. Das hat nicht nur mit Geld zu tun. Dabei geht es auch um Gefühle, Aufmerksamkeiten, Sex und so weiter. Es wird bestimmt keiner behaupten, völlig selbstlos in eine Partnerschaft hineinzubuttern, ohne dass ihn irgendwann der Frust packt, weil er nichts zurück bekommt. Oder doch? Die Frage ist nur: Wer zahlt was und wie viel?

Bevor die Single-Männer also Listen abarbeiten und an den Auswirkungen herumschrauben und -basteln, sollten sie besser an die Ursache gehen und sich fragen: „Was will ich haben? Was bin ich bereit, zu investieren? Und was kann ich tatsächlich bekommen?“

Spätesten dann werden sie merken, dass Wunsch und Wirklichkeit so gar nicht zusammenpassen wollen. Weil moderne Frauen eine ganz andere Preisliste haben.

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Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter