Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

5. November 2018 von Cassandra Bouffier


Fifty Shades of Grey – Der Hype, Teil 2 (Medien)

Oder: Viele Medien haben keine Ahnung von BDSM

 

 

Hallo, meine Lieben!

Aus privaten Gründen musste ich letztes Jahr einige Projekte zurückstellen; unter anderem auch das Bloggen. Mittlerweile hat sich die Situation wieder entspannt, und ich komme allmählich zur Ruhe. Allerdings war ich etwas uninspiriert, was die Themen anging. Das hat sich diese Woche allerdings geändert.

Wie schon vor zweieinhalb Jahren quillt mein Feedreader über mit Nachrichten von „Fifty Shades of Grey“: Trailer, Verrisse, Interviews mit Psychologen, Enthüllungen sowie Berichten über die Premiere und andere Kinovorstellungen. Jeder – von „Die Welt“ bis zu „MyHeimat.de“ – schrieb über Sinn oder Unsinn des Inhaltes, von Streits zwischen Autorin und Crew, den Soundtrack und die Architektur des Sets. Es wurde von (Achtung: Wortspiel!) Höhepunkten des Films berichtet, wie anregend oder öde die Sexszenen sind, was man unbedingt über den Film wissen sollte und wer mal wieder dagegen Sturm lief. Die (vorwiegend männlichen) Kritiker schüttelten den Kopf; das (vorwiegend weibliche) Publikum war begeistert. Und Miss Leonard stand auf dem roten Teppich und kriegte das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht (was ich absolut nachvollziehen kann). Also alles wie immer.

Anschließend folgten Berichte über

  • sich die Hände reibende Dessous- und Sextoys-Hersteller;
  • einen britischen Baumarkt, der seine Mitarbeiter in „respektvollem Umgang mit nach Kabelbindern fragende Kunden“ schulte;
  • eine – ebenfalls britische – Feuerwehreinheit, die sich angesichts bevorstehender Einsätze wegen fehlender, verlegter oder verlorener Handschellen-Schlüssel in höchster Alarmbereitschaft befindet;
  • die Herabstufung der FSK-Freigabe in Frankreich auf 12 Jahre und
  • natürlich über die Erkenntnis, dass „SM“ durch den Film endlich aus der Schmuddelecke hervor geholt wurde.

Bis auf ein paar Ausnahmen hatte ich das Gefühl, den gleichen Kram wie damals zu lesen. Ändern wird sich das wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht, wenn der zweite Teil von ‚Fifty Shades of Grey‘ raus kommt. Das fängt schon damit an, dass die meisten Damen und Herren Reporter immer noch gebetsmühlenartig das Wort „SM“ benutzen, viele im gleichen Atemzug aber monieren, der Film sei „oberflächlich“. Da fiel mir spontan der Vergleich mit dem Glashaus und den Steinen ein. Ist halt lästig und kostet auch wertvolle Zeit, wenn man recherchiert. Wozu auch? Schließlich sieht man dieses Jahr sogar im Film, wie das alles funktioniert. Da steckt man seine Energie lieber in die Suche nach der nächsten „Sensation“.

Und dann gib es noch diejenigen, die „Aufklärungsarbeit“ betreiben. Mein absoluter Favorit in dem Zusammenhang ist gofeminin. In dem Artikel „Sprecht ihr Sadomaso?“ lautet der erste Satz:

„Der Begriff Sadomaso setzt sich aus den zwei Wörtern Sadismus und Masochismus zusammen und ist eine sexuelle Spielart, bei der es vor allem um Schmerzen, Dominanz, Unterwürfigkeit, Demütigung und Macht geht.“

Das klassische Totschlag-Argument, weil natürlich nur ein Drittel des BDSM berücksichtigt wird. Es folgt noch ein bisschen Blabla und eine Aufstellung mit ein paar wahllos herausgepickten Begriffen. Sehr schön ist auch der Artikel „Sadomasochsismus„. Dort steht unter anderem:

„Sadomasochismus sollte nicht mit Bondage (Fesselung) verwechselt werden. […] Der echte Sadomaso (SM) befindet sich eine Stufe höher. Es ist eine bestimmte Inszenierung nötig, daher wird die Technik meist in speziellen Sadomaso-Clubs praktiziert. Jeder Partner verkleidet sich mit einem Kostüm, das seinen Status symbolisiert, und verwendet diverse Utensilien: Masken, Handschellen, Seile, Ketten, Peitschen.“

Haargenau das Gleiche wurde bereits in einem Artikel von 2008 geschrieben und 2013 Wort für Wort im Feminin Fetisch Escortservice übernommen.

Es wäre zu wünschen, dass die Medien (und auch die „Normalbürger“) endlich mal anfangen, sich tatsächlich mit dem Thema zu beschäftigen, entsprechend zu recherchieren oder sich wenigstens über die allgemeinen Grundlagen des BDSM zu informieren. Allerdings wird das wahrscheinlich die nächsten Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – ein Wunsch bleiben.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

4 Kommentare

  1. Herzlich Willkommen zurück in der Bloggerwelt! Freut mich, wieder von dir zu lesen!!
    Hhmm, also das mit den Kabelbinderkunden finde ich lustig :mrgreen:
    Ansonsten beschäftigt mich das Thema privat ehrlich gesagt nicht so sehr, dass ich mich top informiert fühlen möchte/muss (es sei denn natürlich ich müsste mich aus beruflichen Gründen damit befassen…). Ich denke das sollte jeder halten wie er mag.
    Aber alles mögliche behaupten ohne informiert zu sein ist natürlich auch nicht ok. :sceptical:

    • Hallo, Fairy! :lach:

      Bei der Story mit den Kabelbindern musste ich auch lachen; die armen Mitarbeiter.

      Es ist völlig okay, wenn einen das Thema nicht interessiert. Es gibt aber z.B. einige in meinem Bekanntenkreis, die neugierig sind. Mir stellen sich dann immer die Haare zu Berge, wenn ich höre, welchen Eindruck die bekommen haben. :zwinker:

  2. Welcome back! Ich laufe derzeit auch nur auf Autopilot, insofern kann ich mir vielleicht vorstellen, wie dir so ist/war. Geht leider vielen grad so, obwohl es vielleicht ein gutes Zeichen sein könnte, so als ob es wirtschaftlich bergauf ginge. Merke ich aber irgendwie nix von.

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