Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

18. März 2015 von Cassandra Bouffier


Fifty Shades of Grey: Auslöser für Gewalt?

Oder: BDSM ist besser als sein Ruf

 

Hallo, meine Lieben!

Und wieder mal wird ein altes Klischee in punkto BDSM aus der Mottenkiste geholt, abgestaubt und dem Leser als „Erklärung für Gewalt“ präsentiert. Auf N24.de las ich eben ein Artikel mit der Überschrift „Die dunklen Folgen von ‚Fifty Shades of Grey‘ – Vergewaltiger beruft sich auf Sadomaso-Streifen„. Darin steht, dass Mohammad Hossain, ein 19-jähriger Studienanfänger, eine seiner Kommilitoninnen fesselte und vergewaltigte – einvernehmlich, wie er behauptet. Als „Inspiration“ gab er ‚Fifty Shades of Grey* an. Der Artikel endet mit den Worten

„Wo Sadomaso früher mit dem Etikett ‚pervers‘ versehen worden war, gibt es jetzt Anzeichen dafür, dass es sich jetzt eher Richtung ’normal‘, wenn auch ‚bizarr‘, verschoben hat. Ein gefährlicher Trend, wie dieser Vorfall zeigt.“

Ich mutmaße mal, der Verfasser dieses Artikels ist auch der Meinung, Prostitution sei die Ursache für Sittenverfall, die Pornografie Schuld an „normalen“ Vergewaltigungen und Killer-Spiele der Auslöser für Amok-Läufe. Genau so gut könnte man den Umkehrschluss ziehen, Vorzeige-Studenten, die an Leadership-Programmen teilnehmen, seien potentielle Vergewaltiger. Denn das war Mohammad Hossain. N24 reiht sich damit in die lange Schlange derjenigen ein, die mit Halbwissen (oder Ignoranz?) Schlüsse ziehen, wo keine sind. Und ich konnte den moralisch erhobenen Zeigefinger am Ende fast vor mir sehen.

Was mich aber am meisten ankotzt, ist, dass damit indirekt aus einem Täter ein Opfer gemacht wird. Der Arme konnte ja nichts dafür. Wäre er nicht von dem Film „inspiriert“ worden, würde er wahrscheinlich heute noch völlig friedlich unter seinen Mitmenschen wandeln. Nein! Früher oder später hätte er auf jeden Fall eine Frau vergewaltigt – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mohammad Hossain ist psychisch gestört und sah in ‚Fifty Shades of Grey‘ nur eine gute Ausrede, seine abscheuliche Tat zu rechtfertigen. Menschen, die BDSM leben, neigen laut einer (nicht repräsentativen) Studie zufolge nämlich eher zu weniger Gewalt, denn

„sie hätten möglicherweise deshalb besser abgeschnitten, weil sie sich ihrer sexuellen Bedürfnisse bewusst seien“

Wenn man Bedürfnisse – welcher Art auch immer – unterdrückt, fangen die irgendwann an zu vagabundieren. Manche Menschen haben das im Griff; bei anderen fliegt der Deckel weg.

Da liegt der Hase im Pfeffer begraben, und nicht in dem Film ‚Fifty Shades of Grey‘, der mit BDSM so viel zu tun hat wie ein Fünf Gänge-Menü mit einer Currywurst.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

3 Kommentare

  1. Pingback: Die dpa, die Forscherin und "perverse" Sadomaso-Praktiken - die liebe pur

  2. Das ist halt immer wieder das Problem: Das Werkzeug ist nicht schuld, sondern derjenige, der es führt. Genauso wie man mit den unterschiedlichsten Dingen ein Bier aufmachen kann, so kann man mit fast allem Menschen und Tiere töten oder quälen. Alles, was sich nicht auf einen greifbaren Zweck reduzieren lässt, ist natürlich immer dankbares Opfer, wenn es darum geht, die Hilflosigkeit zu überwinden, die manche Menschen bei der Erkenntnis überwältigt, daß auf diesem Planeten viel mehr möglich ist, als man es sich vorstellen möchte oder kann. Dabei steckt vermutlich in jedem von uns ein Gewalttäter, der unter bestimmten Rahmenbedingungen zum Vorschein käme. Es ist also das schwere Joch des Menschen, das Zusammenleben so konstruktiv zu gestalten, daß möglichst wenige durch die Maschen der Gesellschaft rutschen.
    Daß BDSM viel mit Vertrauen und Selbstvertrauen zu tun hat, muß man an dieser Stelle wohl kaum noch erwähnen. Eigentlich ist es eher schade, daß dieser Sammelbegriff immer noch notwendig ist, um etwas zu unterscheiden, was im Alltag vollkommen normal verankert ist und nur von unsicheren Menschen als unnormal beschrieben wird. Ich würde diesen ja gern mal beibringen, was sich vollkommen normale Frauen alles wünschen, wenn man ihnen genügend Sicherheit und Freiheit schenkt. Da müsste der Täter vermutlich nicht so einen Bullshit verzapfen, würde aber wahrscheinlich eher rot anlaufen.

    • Bei den Werkzeugen stimme ich Dir zu. Bei der Gewaltbereitschaft hängt m.E. aber auch viel davon ab, in welchem Umfeld jemand groß wird. Ansonsten hätten wir wohl ähnliche Verhältnisse wie in den USA.

      Auch das Thema „Öffentlichkeit“ sehe ich etwas anders. Mit Unsicherheit hat das weniger zu tun. Viele haben Vorurteile, weil sie falsch informiert sind oder es nicht in ihr Denkschema passt. Und ein Großteil der Medien hat kein Interesse an Aufklärung, weil a) sich Marktschreierei besser verkauft und b) wiederkäuen bequemer ist als zu recherchieren. Davon mal abgesehen liebt der Mensch doch nichts mehr, als sich über Skandale zu echauffieren. :zwinker:

      Vielleicht ändert sich das irgendwann mal. Bis dahin wird aber noch viel Wasser den Main hinunterlaufen.

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