Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

17. Februar 2015 von Cassandra Bouffier


Das ist doch pervers! – Oder: „Was ist BDSM?“ in fünf Sätzen

 

Hallo meine Lieben!

Bevor ich näher auf die Überschrift eingehe, möchte ich zuerst mal den Begriff „pervers“ näher beleuchten. Pervers heißt im ursprünglichen Sinn „widernatürlich“ oder „gegen die Natur“. Hm? Da fallen mir so einige Beispiele ein, die in der Natur vor sich gehen und jedem Verfechter von Moral und Ethik das Wasser in die Augen treiben müsste.

  • Da wäre zum Beispiel dieser langhaarige Rocker – nennen wir ihn mal Leo -, der dem Objekt seiner Begierde in den Nacken beißt, während er sie besteigt. Warum? Damit die Olle ruhig hält! Allerdings muss er damit vorsichtig sein. Übertreibt er es, fährt sie Krallen aus und es ist Schluss mit löwen … ähhh … vögeln.
  • Herr Tapir – man mag es kaum glauben – geht sogar noch einen Schritt weiter und beißt Frau Tapir nicht nur in den Nacken, sondern auch ins Ohr oder Bein. Ob sie’s mag, weiß man nicht. Bekannt ist nur, dass sie sich nicht sehr heftig dagegen wehrt.
  • Dann hätten wir noch Familie Stachelschwein. Bevor es richtig zur Sache geht, strullert er ihr vorher übers Stachelkleid. Iiihhh! Was für Schwei … Na ja! Sagt ja der Name schon.
  • Der Schlimmste von allen ist aber Herr Erpel. Ohhh ja! Tut, als könne er kein Wässerchen trüben. Aber wenn er denkt, es guckt gerade keiner … zack … wird eben mal ’ne Ente vergewaltigt. Ich bin nicht für die Todesstrafe. Wirklich nicht! Aber ich bin schon der Ansicht, man sollte viel mehr Erpel als Enten essen.

Nein! Das meinen die Leute nicht, wenn sie mit angewidertem Gesichtsausdruck „Das ist doch pervers!“ sagen. So wie „geil“ mittlerweile „Klasse! Toll! Spitze! Der Hammer!“ heißt, kann man „pervers“ mit „Pfui! Bäh! Würg! Kotz!“ übersetzen. Und sehr, sehr oft fällt es im Zusammenhang mit BDSM.

Eine meiner Bekannten ist eine richtig patente Frau. Bodenständig, intelligent, aufgeschlossen und beruflich erfolgreich. Aber wie wir alle hat sie auch so ihre Vorurteile. Letzte Woche saßen wir bei ihr in der Küche und quatschten, bis die Zungen glühten. Keine Ahnung, wie wir auf das Thema gekommen sind, aber plötzlich landeten wir bei Bekannten von ihr, die (ihr ahnt es bestimmt schon) … jawoll … BDSM praktizieren. Ich gebe den darauf folgenden Dialog mal etwas vereinfacht wieder.

Ich: „Ja? Und?“
Sie: „Nee! Das ist doch :wuerg: pervers!!!“
Ich: „Wieso ist das pervers?“
Sie: „Weil er sie schlägt. Man schlägt seine Frau nicht!“
Ich: „Das gibt es doch auch umgekehrt.“
Sie: „Du meinst diese Dominas?“
Ich: „Nein! Die meine ich nicht. Ich meine, wenn sie ihm den Po versohlt.“
Sie: „Welcher normale Mann lässt sich den von seiner Frau schlagen?“
Ich: „Lassen wir doch mal das Schlagen beiseite. Da gibt’s ja noch andere Sachen. Fesseln zum Beispiel.“

Pause

Sie: „Das zählt doch nicht zu BDSM.“
Ich: „Doch!“
Sie: „Ne! Die das machen, sind alles Sadisten und Masochisten.“

Tja! Bei dem Gespräch hab‘ ich zwei Dinge gelernt:

  1. Manchmal erfährt man von seinen Bekannten pikante Details, ohne direkt danach zu fragen.
  2. Anscheinend hat sich immer noch nicht herumgesprochen, was das „BD“ bzw. das „DS“ in „BDSM“ bedeutet.

Ach ja! Noch was! „Fifty Shades of Grey“ sollte man wirklich nicht als Maßstab für BDSM nehmen. Das Feld ist nämlich viel weitläufiger, als die meisten ahnen.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

12 Kommentare

  1. :mrgreen:
    Irgendwie führe ich solche Gespräche nie.

  2. Erpel sind wirklich schlimm. Die gehen sogar zu zweit auf eine Ente los. Und beißen der Ente auch noch in den Nacken. Da, guck. :censored: 😀

  3. Liebe Frau Cassy,
    irgendwie ist das schon nachzuvollziehen. In den vielfältigen Bedeutungen der vier Buchstaben verbirgt sich ja unter anderem auch ein Spiel um Macht, Unterordnung, Dominanz. Wie wichtig und mächtig dabei das Vertrauen ist, bleibt beim oberflächlichen Blabla unerwähnt.
    Aber Macht, Unterordnung und Dominanz passen eben genau nicht in das Leitbild sog. moderner Frauen, die versuchen „ihren Mann zu stehen“. Deshalb habe ich unter anderem auch so ein Riesenproblem mit dem Thema Emanzipation, weil propagiert wird, sich von irgendwelchen Zwängen zu befreien und auf Augenhöhe mit Männern ODER im extremsten Fall darüber zu bewegen.
    Letztlich ist es bei BDSM wohl wie bei fast allen Dingen – das Schlimmste daran ist Halbwissen. Bücher wie 5SoG und plüschummantelte Blechhandschellen sorgen für ein falsches Bild und die Tatsache das BDSM naturgemäß (noch) im Verborgenen geschieht für eine Mystifizierung.

    Mein Problem ist jetzt, wie ich das Bild von dem gefesselten Erpel aus meinem Kopf bekomme der hinter Frau Cassy herhüpft… :doh: :doh:

    • Ein Gespräch ohne die entsprechende Mimik und Gestik wiederzugeben ist mehr als schwierig. Wir hatten ja – wie Sie sich bestimmt vorstellen können – das Thema Sex bereits am Wickel. Bei „BDSM“ hat mein Freundin aber dicht gemacht (verschränkte Arme etc.), daher bin ich nicht weiter darauf eingegangen. Wie Sie schon erwähnten: Das passt nicht in das Bild einer emanzipierten Frau. Obwohl ich bei dem Argument immer dagegen halte, dass man sich als emanzipierte Frau mit freiem Willen dann doch bitte schön auch vor einen Mann knien und/oder sich den Popo versohlen lassen kann, wenn einem danach ist. #aufschrei

      Dabei vergessen die Feministinnen, dass ein gesellschaftlicher Zwang gegen einen anderen getauscht wird. Wir sollen uns von dem Zwang der Männer befreien und dafür dem Zwang der Frauen unterordnen. Vielen Dank! Brauch ich ganz dringend. Nicht!

      Natürlich sorgen solche Schmöker für ein falsches Bild. Ana ist ja jetzt Mrs. Gray. Wenn sie ihn leid ist, wird sie ihr Kind schnappen, ausziehen, die Scheidung einreichen, die Hälfte seines Vermögens einklagen und sich den nächsten „richtigen“ Kerl angeln.

      Und dann heißt es wieder: Mögen die Spiele beginnen!

       

      PS: Der Erpel läuft vor mir! Wie soll ich ihm denn sonst den Bürzel versohlen? Obwohl mir bei den Jungs noch ganz andere Sachen einfallen würden. :biggrin:

  4. Auch mal verklemmt sein. 😆

  5. Wie sagte letztens mein Freund in diesem Zusammenhang zu mir: „Pervers ist nur das, was man als pervers empfindet“. Und das wird wohl jeder für sich selbst sehr unterschiedlich definieren … Auch wenn Bücher wie SoG weichgespültes BDSM sind, finde ich, dass sie schon eine gewisse Daseinsberechtigung haben, wenn man sie als Anregung empfindet, mal über den Tellerrand des „normalen“ Sexlebens hinauszuschauen und etwas Neues auszuprobieren.

    Was mich persönlich dabei allerdings nervt, sind die darin vermittelten Rollenbilder: Warum tauschen die Protagonisten eigentlich nie die Rollen? Warum übernimmt nicht auch mal die Frau die dominante Rolle? Dieses „Prinz findet Aschenputtel“-Gedöns mit einer Prise Sex ist sowas von laaaaaangweilig :(. Ich möchte auch mal einen erotischen Roman lesen, wo die Frau sich nimmt, was sie will und nicht darauf wartet, dass er sie verführt.

    Und für meinen Geschmack tauchen in diesen Büchern auch zu viele männliche Phantasien auf. Welche Frau wird schon feucht, nur weil ihr der Mann grad mal in den Schritt gegriffen hat? Ich meine, ich weiß ja, dass diese Bücher Phantasien vermitteln, aber ein klein wenig realistischer könnten sie in diesem Fall schon geschrieben sein – denn eigentlich sollen doch Frauen die Zielgruppe sein, und nicht Männer.

    • Ich würde keinem empfehlen, die Sachen aus „SoG“ auszuprobieren. Zumindest nicht die aus dem ersten Teil. :biggrin:

      Es gibt auch Romane mit Fem-Doms. Stellt sich nur die Frage, warum die bei Weitem nicht so populär sind wie die, in denen immer „sie“ auf den Knien liegt? Irgendein Bedürfnis müssen die ja wohl befriedigen.

      Bei BDSM spielt sich viel im Kopf ab. Es geht nicht um den einfachen Griff in den Schritt. Es geht um das Drumherum. Nackt vor einem Mann zu stehen oder zu knien, der angezogen ist. Die Atmosphäre. Sich (freiwillig) auszuliefern. Die Ungewissheit. Nicht zu wissen, was er als Nächstes tut. Oder nicht tut. Ein guter DOM ist keiner, der gut schlagen kann. Sondern einer, der die Fantasie der sub auf Hochtouren laufen lässt. Alles andere ist nur Mittel zum Zweck. Und wenn er das gut macht, ist sie bereits feucht, bevor er ihr zwischen die Beine greift.

      Die meisten Romane kratzen nur die Oberfläche an, weil sie sich auf das rein „Mechanische“ beschränken. Und vermitteln dadurch oft ein falsches Bild. :zwinker:

  6. Die fragliche Szene war ganz am Anfang des Buches – er geht mit ihr in eine Art Club (sehr exklusiv, aber halt ein normaler Club). Sie sitzen dabei nur in eine Art Separee und unterhalten sich – und er hat halt diese umwerfend tolle Ausstrahlung, wo sie einfach nicht normal in seiner Gegenwart denken kann … Ich gestehe, ich habs jetzt net mehr so genau im Kopf :D. Und ich bleib dabei, ich fand es nicht überzeugend ;-).

    • Die meisten Romane beginnen mit solchen oder ähnlichen Szenen: Super-DOM trifft auf naive, unwissende sub. Und sie ist natürlich gleich hin und weg von seiner männlichen Präsens. :biggrin: Aber wie gesagt: Wenn kein Bedarf bestünde, würden sich die Dinger nicht verkaufen wie geschnitten Brot.

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