Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

10. Dezember 2019 von Cassandra Bouffier


Nacktfotos – Dummheit und/oder moralische Erpressung

 

Hallo, meine Lieben!

In letzter Zeit schlugen wieder mal vermehrt Feeds mit dem Thema „Nacktfotos“ unterschiedlichster Natur in meinem Feedreader auf. Von Promis bis hin zu mobbenden und gemobbten jungen Frauen.

Fangen wir mal mit den Promis an.

  • Der russische Snowborder Alexey Sobolev klebte anscheinend seine Handynummer auf den Sturzhelm und erhielt massenhaft Nachrichten. Darunter auch Dutzende Nacktfotos. (Dass er sich letztendlich für eine Frau in einem engen Kleid, entschied, macht mir den Mann richtig sympathisch.)
  • Der US-Bachelor Juan Pablo Galavis schickte ein Bild seines besten Stücks an die Gewinnerin der Dating-Show. Anscheinend war die nicht sonderlich beeindruckt, denn die Fotos tauchten anschließend in ihrem Bekanntenkreis auf.
  • Und natürlich Justin Bieber: Fleischgewordenes Zeugnis dafür, dass doofe Pop-Sternchen nicht immer weiblich sein müssen. Oder die falschen PR-Berater haben. Bei der Razzia in seiner Villa hatte die Polizei unter anderem auch sein Handy konfisziert. Danach äußerten sich Freunde und Bekannte, er sei jetzt „beunruhigt, dass sich Nacktfotos auf dem Telefon befinden könnten“. Die sich gerüchteweise ebenfalls darauf gespeicherten Drogenkontakte schienen ihm und seinen Freunden dagegen weniger Sorgen zu machen. Es lebe der amerikanische Puritanismus! Als ich dann noch bei Recherchen die reißerische Schlagzeile Justin Bieber singt nackt für seine Oma auf PRO7 fand, fiel mir völlig die Kraft aus dem Gesicht. Die arme Oma!

Kommen wir jetzt zu den anderen Überschriften.

Nun, bis zu einem gewissen Grad kann ich den Druck, der von außen kommt, nachvollziehen. Von mir gab es auch mal Nacktfotos. Die Betonung liegt auf gab. Außerdem waren die noch aus Papier. Ich weiß, wie das ist, wenn der Traummann drängelt und mit verführerischer Stimme flüstert „Die sind nur für mich. Ehrlich!“. Und wenn man sich ziert, ein „Komm schon! Du liebst mich doch, oder nicht?“ hinterher setzt. Diese Form der moralischen Erpressung finde ich am schlimmsten. Natürlich liebt man den Mann an seiner Seite. Wenn das jedoch als Mittel zum Zweck gegen einen eingesetzt wird, hat das mit Liebe nicht mehr viel zu tun. Damals war ich aber noch naiv genug, mich darauf einzulassen.

Dann hatte es sich irgendwann ausgeträumt. Glücklicherweise wohnten wir zusammen, und ich wusste, wo er die Dinger plus Negative aufhob. Es waren alles da – bis auf ein Foto. Fragt nicht, was das für ein Zirkus war, bis ich auch das ausgehändigt bekam. Und ich weiß bis heute nicht, wer das eventuell in den mittlerweile verstrichenen vier Monaten zu Gesicht bekommen hatte. Ich glaube zwar nicht, dass er es herumgezeigt hatte, aber ein mieses Gefühl blieb. Seit der Zeit gab es auf eine diesbezügliche Anfrage nur noch ein scharfes „Vergiss es! Aber ganz schnell!“.

Umgekehrt bekam ich auch schon (teilweise unaufgefordert) explizite Bilder aufs Smartphone. Einer wusste genau, ich würde es sofort löschen. Einem wäre es ziemlich wurscht gewesen, ob ich sein Foto herumgezeigt hätte oder nicht. Der war seeehr stolz auf sein „Hammerteil“. Zwei sprachen mich nach unserer Trennung darauf an.

„Wieso hast du es mir dann damals überhaupt geschickt?“, fragte ich.
„Ich dachte, es macht dich heiß“, war mehr oder weniger die Antwort.
Ahhh ja!

Irgendwie scheint sich noch nicht richtig herum gesprochen zu haben, dass nicht jede Frau in Jubelschreie ausbricht und sofort feucht wird, wenn sie einen Penis auf ihrem Smartphone entdeckt. Mit einer kurzen Nachricht von meinem Partner a lá „Rate mal, was der heute Abend mit Dir macht“ lasse ich mir das ja noch gefallen. Aber zwei kannte ich nicht mal persönlich, sondern wir hatten nur Mail- bzw. SMS-Kontakt. Die Krönung war, als so ein Foto bei mir aufschlug, als ich einen Kundentermin hatte. Gott sei Dank öffne ich private Mails/SMS/MMS nie im Beisein Dritter. Abends schrieb ich eine Mail und fragte ihn, ob er noch alle Kondome in der Schublade hätte. Außerdem teilte ich ihm recht schroff mit, dass er sich besser nicht mehr bei mir melden sollte. Ich bin mir sicher, der zählt auch zu denjenigen, die das Foto gespeichert haben und bei Bedarf rumschicken.

Inzwischen beschäftigen sich auch das Dreigestirn Judikative, Exekutive und Legislative mit dem Problem

Das Problem wird sich damit allerdings leider nicht eindämmen lassen. Man kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass das Internet nun einmal nicht anonym ist. Und dass es immer wieder Verführer gibt, die es nicht gut mit einem meinen, sondern ausnutzen und bloßstellen. Scham ist ein zu hoher Preis, um geliebt zu werden oder dazu zu gehören. Bevor man sich also darauf einlässt, sollte man sich immer Folgendes vor Augen halten:

„Sie haben das Recht, Nacktfotos zu verweigern.
Alle Nacktfotos können im Internet gegen Sie ver­wen­det wer­den.
Sie haben das Recht, bei jeder Anfrage Ihren Verstand zu benutzen.
Sollten Sie sich aus den falschen Motiven dafür entscheiden, werden Sie es bereuen.
Haben Sie das verstanden?“

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

19 Kommentare

  1. Erstaunlich für mich, dass Du Dich seinerzeit hast derart erpressen lassen. Aber was weiß schon einer, der wie ich es von außen betrachtet. :yes:

    • Wenn man jung und bis über beide Ohren verliebt ist, tut man manchmal Dinge, die man hinterher selbst nicht mehr versteht. Ich habe das vereinfacht dargestellt, da der Artikel sonst doppelt so lang geworden wäre. : zwinker: Wichtig ist allerdings, aus solchen Fehlern zu lernen. Und ich meine damit nicht die Fotos.

      Moralische Erpressung über „Liebe“ findet man doch überall, nicht nur zwischen Partnern. Ich möchte nicht wissen, wie viele Eltern auch heutzutage noch zu ihren Kindern „Wenn du nicht …, dann hat Mama/Papa dich nicht mehr lieb“ sagen. Oder ihren erwachsenen Kindern ein schlechtes Gewissen machen, weil sie sie nicht oft genug besuchen, den falschen Beruf/Partner wählen und … und … und … Das Fiese ist die Subtilität, mit denen die „Täter“ vorgehen.

  2. Wenn man jung und verliebt ist macht man schon vieles was man normalerweise nicht tun würde…von meinem knapp 18jährigen Ich hab es auch mal welche…und ich habe mich hinterher drüber geärgert. Auch wenn sie nicht rumgezeigt wurden. 👿

    • Oh ja! Aber Ich habe keine Ahnung, ob die Fotos nicht heute noch existieren würden, wenn ich mit dem Mann noch zusammen wäre. Man unterstellt bei einer Trennung ja auch gern dem anderen das Allerschlimmste. Das liegt wohl in der Natur des Menschen.

  3. Liebe Frau Cassy,
    Nacktbilder scheinen mir noch harmlos zu sein – es gibt ja nun auch genügend Plattformen, auf denen Leute ohne mit der Wimper zu zucken Bilder und Filme einstellen die ihr Sexleben digital für die Ewigkeit dokumentieren. Muss toll sein, wenn man irgendwann seinen Grosseltern beim Gruppenpoppen zusehen kann….

    Letztendlich ist das deren Problem – die Dummen werden wir nicht erleuchten, die Mitläufer nur begrenzt mit Selbstbewusstsein erfüllen und die krankhaft Mannesstolzen nicht auf den Boden der Tatsachen führen. Sie können Penisbilder mit dem Vermerk „gesehen und für untauglich befunden“ zurückschicken – der Träger wird in Nullkommanix irgendwo ein Dummchen finden, das sich gerne für beider Ego flachlegen lässt.

    Was Justin B. und Miley C. angeht kann ich es nicht erwarten wann die endlich ihre Pubertät öffentlich ausgelebt haben und Ruhe einkehrt. Ich spiele im Moment sehr viel die Quizduell App und man hat das Gefühlt das sich jede zehnte Frage um diesen Burschen dreht :yuck:

    So – schönen Abend noch, ich gehe jetzt nach Nacktbildern meiner Arbeitskollegen suchen 😈

    • Lieber Herr Mendweg.
      Ich befürchte, dass nach Justins und Mlieys überstandener Pubertät die nächsten Nervensägen auf der Bildfläche auftauchen werden. Aber wir haben Britney und Paris überstanden, da werden wie die auch überleben. :biggrin:

      Viel Vergnügen beim Suchen! :teufel:

      • Liebe Frau Cassy

        Natürlich werden neue Nervensägen nachkommen – genauso sicher wie Leute die uns ihr Intimstes aufdrängen.

        Aber jetzt mal eine Frage: Was hält uns jetzt eigentlich davon ab, zu Nacktaufnahmen (keine Pornographischen Aufnahmen!) zu stehen? Letztendlich sind wir so unter unserer Kleidung und ob ich jetzt etwas an habe oder nicht, verändert mich das als Mensch nicht im Mindesten.

        Erst die falsche Überbedeutung solcher Bilder erzeugt doch eine Erpressbarkeit.

        Genau hier kommt der Ansatz – Nacktbilder sind etwas ganz Normales. Und auch wenn man keinen Model-Körper hat ist das egal – denn man sieht einen Mensch. Echt und authentisch. Problematisch wird es doch erst, wenn man auf den Bildern Dinge tut die nicht mehr jugendfrei sind?

        Fängt nicht das ganze Thema viel früher an? Liegt es vielleicht nicht viel mehr am gesellschaftlichen Druck und dem medial aufgedrängten Schönheitsideal? Darf ein dürres Model nackt sein (Wow, was für eine tolle Frau) und die Nachbarin nicht (guck die moppelige Schlampe)

        Ich persönlich finde, dass angezogene Leute nicht das Recht haben über nackte Leute zu sprechen. Fertig. 😎

        • Gegen Nacktfotos spricht im Prinzip erst mal gar nichts. Genauso wenig wie gegen das nackt sein generell. Ich gestehe allerdings, mir wäre es zum Beispiel peinlich, einem Kunden in der Sauna zu begegnen. Da kann man sich aber aus dem Weg gehen. Was ich nicht will, ist, dass er im Internet über ein Nacktfoto von mir stolpert. Das hat nichts mit Alter, Schönheit oder Selbstbewusstsein zu tun. Ich möchte bitte selbst darüber entscheiden wer mich wann wo nackt sieht. Das ist alles.

          Wenn doch nur alle Leute so denken würden wie Sie? :zwinker:

  4. Irgendwann wird Kleidung so albern sein, wie die untätowierte Haut, die sich darunter befindet.

  5. Nacktfotos sind vom Stellenwert ähnlich hoch angesiedelt, wie bei einem Blowjob in seine Augen zu schauen – nur, dass die Fotos länger als 10 Minuten halten.
    Ich persönlich habe welche bekommen und auch angefertigt, aber es bedarf definitiv eines hohen Vertrauens der beiden Partner, damit das funktioniert und gut ausgeht.

  6. Von mir existieren tatsächlich keine Nacktfotos. Wahrscheinlich hatte ich aber auch nur Glück. Als ich nämlich in dem Alter war, wo man sowas eher tut, gab es noch kein Internet bzw keine Digitalfotografie. Und mit Analogkameras haben wir damals nicht wirklich rumgespielt.

    Heute ist das ein schwieriges Thema – Stichwort Selbstbewußtsein bzw dessen Aufwertung. Ich werde meinem Kind beizeiten beibringen, wie wichtig es ist aufzupassen, was man generell von sich ins Inet stellt, und in dem Atemzug auch über diese Unart von Männern, Pe.nisfotos zu verschicken,reden. Und dann kann ich nur hoffen, dass mein Sohn das nicht tun wird…

    • Ich denke, wenn man sein Kind in der Pubertät dafür sensibilisiert und ihm immer wieder die Tragweite erklärt, wird es entsprechend kritisch damit umgehen. Wie man heutzutage sieht, machen es manche Eltern ja auch nicht besser. Problematisch wird es, wenn der Gruppendruck dazu kommt. Da kann man nur hoffen, dass man dem Nachwuchs genügend Selbstbewusstsein mit auf den Weg gegeben hat, um sich zu wehren. Es ist und bleibt wohl noch in absehbarer Zeit ein schwieriges Thema.

  7. Halt! Stop! Es existieren von mir sehr wohl Nackfotos. Allerdings sind die in nem Profistudio aufgenommen und unter meiner Gewalt. Und da bleiben sie 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


:-) 
;-) 
:D 
:mrgreen: 
:lol: 
:rofl: 
:-B 
:bravo: 
:winken: 
:clown: 
XD 
:cool: 
:razz: 
:yes: 
:whistle: 
:blush: 
:( 
:mad: 
:cry: 
:roll: 
mehr...