Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

25. Oktober 2016 von Cassandra Bouffier


Hart aber fair – Die weggeschlossene Sendung

Oder: Wovor wir Frauen "geschützt" werden müssen

 

Hallo, meine Lieben!

Letzte Woche hatte der WDR auf Druck von Frauenverbänden und und Gleichstellungsbeauftragten die Hart aber fair-Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen, her mit den Unisex-Toiletten – Deutschland im Gleichheitswahn?“ vom 2. März 2015 aus der Mediathek entfernt. Entgegen dem Titel ist Hart aber fair nicht unbedingt für faire Debatten bekannt, sondern bietet des Öfteren eine Plattform, auf der sich die Gäste gegenseitig an die Gurgel gehen. Im Volksmund nennt man das neudeutsch „Trashtalk“. Solche Talkshows schalte ich nur selten ein, weswegen ich auch die „Ampelmännchen“-Sendung nicht gesehen hatte. Nach dem Rauschen im journalistischen Blätterwald wurde ich jedoch neugierig.

 

 

Hm? Die Gäste kannte ich noch von den Aufschrei-Debatten; die Diskussion war gewohnt polemisch. Wieso man ausgerechnet die Konserve entfernen sollte, war mir nicht ganz klar. Es gibt genügend andere Sendungen (auch in den Öffentlich-Rechtlichen), die ein Frauenbild zeichnen, bei denen ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskomme.

Auslöser dafür war eine vom Deutschen Frauenrat eingereichte Programmbeschwerde, die mich nach dem Lesen fassungslos zurückließ.

Frank Plasberg hätte 190 Genderprofessuren als „Alltagswahnsinn“ bezeichnet.
Nein! Hat er nicht!
„Es geht der Blick verloren für den Alltagswahnsinn, den wir uns leisten“, gehörte noch zur Einleitung. Dann kam erst: „In diesem Land gibt es mittlerweile 190 Professorinnen und Professoren, die sich mit Genderforschung beschäftigen […] 180 Frauen und 10 Männer. Sowas bleibt nicht ohne Folgen.“ (Wo er recht hat, hat er recht – wie man sieht.)

Fachfrauen bzw. Fachmänner aus Wissenschaft oder Verwaltung fehlten vollständig
Seit wann dürfen Interessengemeinschaften öffentlich-rechtlichen Sendern vorschreiben, wer an Diskussionsrunden teilzunehmen hat und wer nicht?

Herr Plasberg fordert Frau Wizorek auf, die Welt über die Nützlichkeit von Unisextoiletten aufzuklären, dabei liegt ihre Fachlichkeit auf dem Gebiet des Alltagssexismus. Sie wird genötigt, Thesen zu vertreten, die sie nicht selbst aufgestellt hat.
Genötigt?! Herr Plasberg hatte die Frage gestellt, Frau Wizorek sie IMHO souverän beantwortet. Kurzer Einwand von Frau Kelle. Damit war das Thema abgehandelt. Herrn Plasberg Nötigung vorzuwerfen ist mehr als grenzwertig.

Derart unfaire Sendungen mögen vielleicht im Pay-TV hinnehmbar sein, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dürfen sie unseres Erachtens keinen Platz haben.
Was im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Platz hat oder nicht, sollten alle entscheiden, die dafür Gebühren zahlen, und kein feministischer Verein im Alleingang.

Mit der Programmbeschwerde der LAG ist nun vielleicht eine Protestwelle in Gang gekommen.
Ich dachte, es wäre bereits nach der Ausstrahlung ein Sturm der Entrüstung über die BRD gebrandet? Was denn nun? Okay! Werfen wir mal einen Blick auf die aktuellen Reaktionen des frauenratlichen Twitter-Accounts in Sachen „Weg mit Hart aber fair„: 16 Favs und 12 Retweets. Doch so viel?!

Es ist erschreckend, lässt aber gleichzeitig tief blicken, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender versichert, „man habe nicht gegen Programmrichtlinien verstoßen“, gleichzeitig aber einknickt und die betreffende Sendung vom Netz nimmt. Richtig peinlich finde ich allerdings, dass dieser Frauenverein, der sich „Anstand und Moral“ auf die Fahne geschrieben hat, genauso polemisch agiert, wie er anderen vorwirft.

Tweet des LSVD-Bundesverbands:
„Schulamt genehmigt rechtspopulistische Werbeveranstaltung an Düsseldorfer Gymnasium“.
Retweet des Frauenrats mit der Bemerkung:
„Eingeladen: Birgit Kelle, die Anti-Gender-Kreuzzüge führt und Ampelmännchen-Sendung bei Hart aber fair inspirierte“.
(Quelle: Twitter 24.8.2015)

Da würde ich als Frau am liebsten vor Scham im Boden versinken.

Aber so ganz nebenbei: Der Deutsche Frauenrat hat 476 Follower auf Twitter; Frau Kelle über 2.400 – darunter auch einige Frauen. Unter anderem eine recht junge, die in ihrer Bio nur „Ingenieur“ stehen hat. Das mag nicht repräsentativ sein; interessant ist es auf jeden Fall.

Heute teilte der WDR plötzlich mit, dass man „aus den Fehlern gelernt habe“ und nochmals eine Hart aber fair-Sendung zu dem Thema ausstrahlen will. In zwei Wochen! Das ging aber erstaunlich schnell. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nun, die Sendung werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Und dann auch wieder meinen Senf dazu abgeben.

Update 1.9.2015: Der WDR hat die Sendung wieder in die Mediathek gestellt. Begründung: „Die heftigen Reaktionen zeigten im Rückblick, dass die Entscheidung nicht richtig gewesen sei.“

PS: Die Sendung habe ich mir zwar angesehen, spare mir aber die Zeit, um das ausführlich zu kommentieren. Im Grunde war es das gleiche Palaver wie bei der vorherigen Sendung.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

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