Cassys Blog über Männer, Frauen, Erotik & Feminismus

 

  

21. Januar 2014 von Cassandra Bouffier


Sexismus im Allgemeinen und Frauen im Besonderen

 

Hallo, meine Lieben!

Die Diskussion über Sexismus in der Poiltik, ausgelöst durch die Belästigungsvorwürfe der 29-jährigen Journalistin Laura Himmelreich (Stern) gegen den 67-jährigen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle, hat mal wieder einen Höhepunkt erreicht.

Zu den ersten beiden Zitaten fällt mir nur das Wort „Heuchelei“ ein. Ich will auf keinen Fall Herrn Brüderle in Schutz nehmen. Aber wenn man schon ein Jahr lang Munition sammelt, bis man sie im passenden Moment gegen jemanden verwenden kann, sollte man auch das Rückgrat besitzen, dazu zu stehen. Auf solche „Wächter von Moral und Ordnung“ kann ich gerne verzichten. Davon mal angesehen, dass die Stern-Überschrift „Journalistinnen sind kein Freiwild“ recht marktschreierisch ist. „Frauen sind kein Freiwild“ wäre auf jeden Fall passender gewesen.

In den anderen Artikeln wird unter anderem „Jetzt muss Schluss sein!“ von Politikerinnen, Feministinnen und Journalistinnen gefordert. Jawoll! Da können sich Alice Schwarzer, Claudia Roth und Konsorten auch mal wieder in die Schlagzeilen bringen. Denn keine dieser Frauen hat auch nur ansatzweise etwas anderes zum Thema Sexismus beizutragen als heiße Luft. Nicht eine einzige sinnvolle Bemerkung, wie man sich vor solchen verbalen Attacken schützen könnte. Tja, Ladys! Sechs! Setzen!

Stop! Doch! Frau Roth hat dafür eine Lösung: „Die Hälfte der Positionen in Chefetagen von Unternehmen, Medien und Parteien müssen endlich von Frauen besetzt werden.“ Aha! Jetzt hat man endlich noch ein Argument für die Frauenquote. Als ob damit das Problem behoben wäre!

Wie sieht denn unser heutiges Frauenbild aus? Ich behaupte mal, dass es immer noch zu wenige Frauen gibt, die tatsächlich emanzipiert sind. Emanzipiert zu sein hat nichts damit zu tun, ob man den Beruf der Hausfrau oder der Vorstandsvorsitzenden wählt. Es hat nichts damit zu tun, wie viel Geld man verdient. Und es hat nichts damit zu tun, in welcher Form man als Frau seine Weiblichkeit auslebt. Es hat etwas damit zu tun, wie eine Frau ihr Selbstbild, ihr Selbstwertgefühl und ihre „Rolle“ in der Gesellschaft davon abhängig macht, wie sie auf Männer wirkt. Eine Frau, die immer nur nett sein und gefallen möchte, ist nicht emanzipiert. Sobald ihr die Aufmerksamkeit entzogen wird oder – schlimmer – ihr Ego attackiert wird, verliert sie den inneren Halt. Stichwort: „Frauen wollen nicht als humorlos, zickig, empfindlich dastehen.“

Eine emanzipierte Frau …

  • weiß, dass sie es nicht jedem Recht machen kann.
  • hat eine eigene Meinung, auch wenn sie damit aneckt.
  • wird sich in keinen „dämlichen“ Wettstreit mit anderen Frauen einlassen; schon gar nicht, wenn es um einen Mann geht.
  • legt Wert auf die Meinung beider Geschlechter.
  • hat es nicht nötig, Menschen zu manipulieren.
  • weiß, dass ein „Nein!“ in bestimmten Fällen ohne ein Lächeln gesagt werden muss.
  • hält es aus, auch mal nicht gemocht zu werden.
  • stört es nicht, wenn sie von Chauvinisten als Emanze, Lesbe oder Mannweib beschimpft wird.
  • zieht ihr Selbstbewusstsein aus ihren Fähigkeiten und spiegelt dies in ihrem Äußeren wider; nicht umgekehrt.
  • weiß um ihre Weiblichkeit und dass diese nicht Schwäche, sondern Stärke bedeutet.
  • kennt den Unterscheid zwischen männlicher Dominanz und Chauvinismus.

Eine Frau Himmelreich, die „einen Schritt zurückweicht und ihre Hände vor ihre Körper hält„, statt stehen zu bleiben, ihren Arm auszustrecken und Herrn Brüderle zu stoppen, ist in meinen Augen alles andere als emanzipiert. Frauen können sich in bestimmten Situationen nämlich durchaus wehren.

Mir ist es doch völlig egal, ob ich bei bestimmten Männern als humorlos oder zickig gelte. Ich lache nicht gequält über Scherze „à la Brüderle“. Im Gegenteil: Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber galt ich unter einigen Kollegen als Frau, „mit der nicht gut Kirschen essen ist“. Weil ich von Anfang an Grenzen gesetzt hatte. Weil ich nie den Anspruch hatte, jedem gefallen zu wollen. Weil ich lieber taff war, statt lieb. Dabei war ich nie einem Flirt oder auch einer leicht anzüglichen Tändelei abgeneigt. Warum auch? So lange beide respektvoll miteinander umgehen, kann das sehr prickelnd sein. Es sollte nur kein Mann den Fehler machen, mich als Frau zu deklassieren.

Wird es nach dem „Fall Brüderle“ weniger Sexismus geben? Ich denke nicht! Der Nachwuchs steht ja bereits in den Startlöchern. Als Gegenstück zum Valentinstag wurde der Schnitzel & Blowjob-Tag ins Leben gerufen. Und viele Frauen so „Yeah!“. 2010 kam ein Kerl auf die Idee, den Boobsday ins Leben zu rufen. Seitdem stellen am 8. August jede Menge Frauen ihre Brüste als Profilfoto auf Twitter aus. Die chauvinistischsten Blogs haben mehr weibliche als männliche Leser. Leser! Nicht Kritiker!

Sexismus ist kein Kavaliersdelikt. Aber solange es Frauen gibt, die Männer darin unterstützen, werden wir wohl noch eine Weile damit leben müssen.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

Autor: Cassandra Bouffier

Großstadtkatze und Bloggerin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Sternzeichen Weibsstück, Aszendent Biest. Schreibt und lästert vorwiegend über Erotik, Männer, Frauen und Partnerschaften. Auch zu finden auf Google+ und Twitter

17 Kommentare

  1. Brüderle ist ein einfacher politischer Schachzug. Transparent, wirkungsvoll, unkreativ. Analog Dominique Strauss-Kahn und soooo vielen anderen, denen man ein Betthäschen hingelegt hat. Da kann ich nur drüber gähnen und bin gespannt wieviel Stroh noch ins Feuer vor dem Bundesparteitag gekippt wird um den Alten zu verhindern und Lindner in Position zu bringen/zwingen.

    Ansonsten mal eine kleine Überlegung. Warum verbringt ihr einfach nicht mehr Zeit mit Frausein als mit Schwernachdenken, Emanzipationsphilosophie und Linksrechtsschielen? Erfolgreiche moderne Frauen sch***n sich was um den Rest der Welt sondern ziehen ihr Ding durch. Stolpern kann jeder – ein Beckenbauer wie eine Frau Klatten. Entscheidend ist wie ehrlich und würdevoll man dann wieder aufsteht.
    Aber solange ihr Punktelisten aufstellt die festlegen wie eine emanzipizierte Frau zu sein hat, wird kein Mann diese Listenemanzen mit Verhaltenshandbuch ernst nehmen.

  2. Liebe Frau Cassy,
    unter Frausein, verstehe ich sich seiner weiblichen Stärken und Schwächen bewusst zu sein und sie völlig unbeeinflusst von XYChromosomlern zu leben. Wer in sich ruht, strahlt aus und fasziniert.
    Ich würde niemals von Ihnen in der zweiten Person schreiben weder singulär, dual oder gar plural – das verbieten Benehmen als Gast in Ihrem Blog und der Respekt. Es bezieht sich nur darauf, dass Sie zwar zu den analytischsten und geschliffensten weiblichen Denkerinnen gehören, aber weiss Gott nicht alleine sind.
    Herzlich winkend und einen warmen Sonntag wünschend 😉

    Bei uns in Bayern sagt man so schön: Nix für ungut! 😎

    • …völlig unbeeinflusst von XYChromosomlern zu leben …

      Nun, Herr Mendweg, das könnten wir vielleicht in einer idealen Welt, aber sie ist weit davon entfernt, ideal zu sein. Einer Frau nutzt es einen feuchten Dreck, ob sie in sich ruht, was auch immer ausstrahlt oder wen auch immer fasziniert, wenn sie Sexismus oder sogar sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist. Wenn ein Mann meint, ihr an den Hintern greifen zu müssen. Oder ihr in Gesellschaft in betrunkenem Zustand an die Brust greift und „Mööp!“ macht. Oder vor anderen den Spruch los lässt, sie „sei wohl nicht richtig befriedigt“ und es „müsse ihr wohl mal wieder einer richtig besorgen“, nur weil ihm in einer Diskussion die Argumente ausgehen. Aber vielleicht haben sie ja einen Vorschlag, wie man das „weiblich“ regeln kann.

      Ich bin sehr gespannt! :zwinker:

      • Liebe Frau Cassy,
        wir sind doch gar nicht so weit weg voneinander, denn Sie listen ja in der zweiten Hälfte Ihres Beitrags genau auf was zu tun ist. Auch in früheren Beiträgen war Ihr Verhalten für diese Fälle vorbildhaft. Was ich nur ergänzen möchte (zugegebenermassen bisher etwas unpräzise) bei all diesen Punkten Frau zu bleiben und nicht das selbe schmuddelige Spielfeld wie die Männer zu betreten. Ein Mann wird von einer Niederlage gegen ein „Mannweib“ oder eine „Kneifzange“ nie was lernen, aber vielleicht gegen eine Frau.
        Und eben das Nachdenken über die Problematik nicht als oberste Maxime zu sehen. Einige Frauen die ich kenne denken einfach viel zu viel darüber nach.

        Ansonsten sehe ich gewisse Parallelen zu Frau Chief. Ich bin sehr viel unterwegs, aber ernsthaften Sexismus bekomme ich vielleicht einmal im Jahr mit und ersticke den dann auch sofort im Keim. Der seltene Rest sind entweder hilflos-traurige Anbaggerversuche, oder beschränkte geistige Möglichkeiten die bestenfalls ein müdes Lächeln wert sind. Man muss auch immer mal schauen wer da vor einem steht und ob man denjenigen überhaupt wahrnehmen muss…

        • Lieber Herr Mendweg! Gestatten Sie mir, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und mir vorzustellen, wie sich eine Lederhose eng um den Allerwertesten eines zünftigen bayerischen Kerls schmiegt. Ich gestehe, da ließe sogar ich mich zu einer sexistischen Bemerkung hinreißen. :biggrin:

          Im Ernst: So unterschiedlich wie einzelne Frauen auf die gleiche „Anmache“ reagieren, so unterschiedlich wird ein Kontra von den einzelnen Männern aufgenommen. Manchmal hilft ignorieren, manchmal hilft ein „Lass das bitte!“, manchmal ein flotter Spruch. Manchmal ist es aber auch nötig, mit sehr klaren Worten Grenzen zu setzen.

          • Das Problem ist aber, dass gerade überall die große Moralkeule geschwungen wird. Kein Wunder – uns wäre es ja beinahe gerade gut gegangen. Darf nicht sein und so outen wir uns kollektiv als ein abscheuliches Volk der Sexisten. Pfui! Bäh! iiiiiiiigitttt

            Ich frage mich ob uns die Italiener inzwischen das letzte bisschen Verstand absprechen… :doh:

  3. Ich bin auch schon als „humorlos“ bezeichnet worden weil ich nicht über jeden sexistischen Scherz lachen kann.
    Und ich weiß, dass in der Generation meines Vaters bestimmte Dinge einfach als „normal“ gelten, die ich nicht gut finde. Und wenn man/frau etwas dagegen sagt ist man schnell der Spaßverderber. Oder halt humorlos. Wel man es peinlich findet, dass der Vater bei ordentlicher Oberweite gern mal zugreift beim tanzen. Oder ähnliches. Ich habe mir nie den Mund verbieten lassen. Und gelte bei meinem Dad als humorlose Zicke. „Ein Wunder dass ich am Ende doch einen Mann geheiratet habe…“… Dass ich mir nicht alles gefallen lasse und trotzdem keine Lesbe bin, das hat er nie verstanden. Genau wie meinen Beruf. Genau wie vieles andere. Aber er ist halt eine andere Generation.
    Ich bin froh, dass meine Tochter DAS nie über ihren Vater sagen wird.
    Und ich bin enttäuscht, dass es dennoch genügend Männer in unserer Generation gibt, die immernoch so denken. Schade. Und dass es genug Frauen gibt, die das auch noch unterstützen ist traurig. :no:

    • Genau das, was Du getan hast, verstehe ich unter emanzipiert. Und ich finde es auch sehr mutig, denn es lastet schon ein gewisser gesellschaftlicher Druck auf einem, in so einem Fall die Spaßbremse zu sein. Ich kenne leider viel zu viele Frauen, die unter verbalen oder auch körperlichen Attacken leiden und sich nicht dagegen wehren. Nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nie gelernt haben. Meines Erachtens ist es wichtig, dass Frauen lernen, genügend Selbstbewusstsein zu entwickeln, um bis zu einem gewissen Punkt entspannt damit umzugehen, aber im entscheidenden Moment Grenzen zu setzen.

  4. Die Sache Brüderle hat man doch politisch- strategisch genau jetzt hochkochen lassen. Oder wieso sonst hat man ein Jahr damit gewartet…?

    Ansonsten kann ich nur sagen: Amen Schwester.

    Allerdings rede ich mich in dieser Sache sehr einfach, denn ich kann mit Fug und Recht behaupten, noch nie irgendwie echt sexuell belästigt worden zu sein. Weder sprachlich, noch körperlich. Gut, meine Toleranzgrenze liegt auch ziemlich hoch, Nachpfeifen z.B. empfinde ich eher als ein Kompliment, denn als Belästigung. Und dumme Sprüche kann ich entweder gut kontern, oder ich ignoriere, weil’s mir einfach zu blöd ist. Wirklich belasten tut mich sowas aber dann auch nicht. Das ist ja auch so eine Sache – wo fängt Belästigung etc an? Das ist ja auch bei jedem Menschen unterschiedlich (ich rede wohlgemerkt nicht von „echter“ Gewalt, will heißen Vergewaltigung o.ä., das ist was Anderes und meines Wissens bei dieser Sexismusdebatte ursprünglich auch gar nicht gemeint, auch wenn einige das jetzt mit einbeziehen…).

    Vielleicht hängt das aber bei mir auch damit zusammen, dass ich zwar hübsch bin – aber eine Ausstrahlung habe, die andere einfach auf einem gewissen Abstand hält. Ich wurde aber trotzdem noch nie als Zicke beschimpft. Hm. Wie auch immer – es scheint bei mir zu funktionieren…

    • Man muss dazu sagen, dass sich (aus meiner Sicht) geschätzte 97% der Männer zu benehmen wissen und deren Sprüche recht flott, aber nicht sexistisch sind. Unangenehm wird es meistens, wenn ich alleine oder mit einer Freundin unterwegs bin und bei den Jungs Alkohol ins Spiel kommt. Da sinkt die Hemmschwelle und es gilt „freie Fahrt für dumme Machos“. An solchen Abenden habe ich schon Sprüche gehört, da wäre Frau Himmelreich wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen. Die Kerle setzt man dann aufs Töpfchen und gut ist’s. Das „Prädikat“ Zicke sehe ich dann fast schon wieder als Kompliment.

  5. Mag schon sein, dass es jede Menge Sexismus in unserem Alltag gibt und Frauen es hier garnicht leicht haben, immer ihre Würde und Integrität zu sichern. Der Schachzug besagter Journalistin hier eine alte Sache auszubuddeln…(und was ich darüber gehört habe klingt eher wie ein harmloser Witz) an die Zeitungsglocke zu hängen, das verdient einen großen Minuspunkt, auch wenn es richtig das Frauen um ihre gleichberechtigte Rolle kämpfen müssen und sich auch wehren sollen. Das Thema öffentlich zu machen gut, aber nicht mit dem Aufhänger.

    • ..das Wort „Bärendienst“ passt ja in dem Zusammenhang ganz gut. Eine Debatte die aufbaut auf den Aussagen, dass jemand ein Dirndl ausfüllen könnte (was zumindest in einigen Regionen Bayerns ein ehrliches und einfaches Kompliment ist), eine Einladung zum Abendessen anzudeuten und in einem Kuhstall ein harmloses Sprüchen über ein Kuheuter abzulassen: „Der hängt ja ganz schön. Das ist Körbchengröße 90L.“ ist keine Debatte sondern eine Farce.
      Und das ausgerechnet der Stern auf so was rumreitet – der STERN…Inbegriff des respektvollen Journalismus…http://www.stern.de/kultur/tv/dschungelcamp/dschungelcamp-2013-bis-einer-heult-1960866.html

      :doh:

    • Das interessanteste an der Geschichte ist meines Erachtens, dass Frau Himmelreich Herrn Brüderle ein Jahr lang begleitet hatte und es immer wieder zu ähnlichen Vorfällen gekommen sein muss. Vielleicht hätte er weiter gemacht, wenn sie ihn damals darauf angesprochen oder ihn in die Schranken verwiesen hätte. Vielleicht hätte er es aber auch gelassen und dann wäre die „schöne“ Story futsch gewesen. Das hinterlässt bei mir einen zusätzlichen, bitteren Geschmack.

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