Triviale Liebesromane – vom Feuilleton geschmäht

- Oder: Der Unterschied zwischen Trivialität und Banalität

Hallo, meine Lieben!

Triviale Liebesromane werden von Kritikern ja gerne in der Luft zerrissen – als wäre es etwas, von dem man bestenfalls einen Ausschlag bekommt oder das schlimmstenfalls Millionen von Gehirnzellen vernichtet. Natürlich zählen die wenigstens Romane dieses Genre zur so genannten „Hochliteratur“, aber diesen Anspruch erheben die jeweiligen Autoren auch gar nicht. Davon mal abgesehen heißt trivial nur „allgemein zugänglich“ und sollte daher nicht mit banal, was „durchschnittlich“, „nichtssagend“ oder „oberflächlich“ bedeutet, verwechselt werden.

Was macht bei einem Liebesroman den Unterschied zwischen Trivialität und Banalität aus?

Viele der „fachmännischen“ Kritiker vergessen anscheinend nur zu gerne, dass die heutige „Hochliteratur“ von William Shakespeare, Jane Austen oder Emily Brontë zur ihrer Zeit auch trivial waren. Wären sie es nicht gewesen, hätten sie keinen Erfolg gehabt. Ein Buch kann noch so gut sein: Wenn es nicht von vielen Leuten gelesen wird, verschwindet es in der Versenkung. Ein ähnliches Phänomen gibt es ja auch bei Filmen. Daher ist jeder Liebesroman trivial (oder zumindest der Großteil davon), aber nicht jeder ist banal.

Woran erkennt man einen banalen Liebesroman?

Wie so oft sind auch bei Liebesromanen die Grenzen fließend. Von (seit 1974) wöchentlich erscheinenden Hedwig Courths-Mahler-Heftchen bis hin zu [… hier bitte das persönliche Lieblingsbuch einsetzen …] ist alles vertreten. Wobei man davon ausgehen kann, dass die HCM-Heftchen an Banalität kaum zu übertreffen sind. Nichtsdestotrotz hat der Bastei Lübbe Verlag international mehr als 5 Millionen Exemplaren davon verkauft [Quelle: Beam eBook-Shop]. Die Frage nach dem „Warum“ dürfte sich allerdings erübrigen: Sie kosten nicht viel, erscheinen wöchentlich und lesen sich schnell nebenher weg. Außerdem folgen sie immer dem gleichen Muster, die Protagonisten besitzen immer die gleichen Attribute und jede Geschichte hat ein Happy End. (Ähnliches gibt es übrigens auch für Männer: als Western-, Höllenjäger- oder Perry Rhodan-Heftchen.) Das lässt sich auch auf die Belletristik übertragen: Je mehr Klischees ein Buch beinhaltet, desto banaler ist es meistens. Was aber nicht heißt, dass nicht erfolgreich sein kann. Wenn eine Autorin den Nerv ihrer Zielgruppe trifft, verkauft sich auch Banales wie geschnitten Brot.

Gehören Bestseller ebenfalls zur Gattung „triviale Liebesromane“?

Die Antwort lautet „Ja!“. Unter den aktuellen Spiegel-Bestsellern in der Rubrik ‚Taschenbuch‘ befinden sich ‚Kein Ort ohne dich‘ von Nicholas Sparks, ‚Das Rosie-Pojekt‘ von Graeme Simsion, ‚Der Engelsbaum‘ von Lucinda Riley, ‚Die Sturmrose‘ von Corina Bomann, ‚Die Tage in Paris‘ von Jojo Moyes und natürlich ‚Fifty Shades of Grey‘ von E.L. James. Sechs triviale Liebesromane unter den Top 20. Allerdings kommt nur Jojo Moyes – laut Spiegel der „Superstar im sogenannten Genre Frauenliteratur“ – in deren Feuilleton gut weg. Besonders hervorgehoben wurde „ein anderer Typ Frau als Protagonistin“. Tja! Das hätte der Verfasser dieser Rezension mal besser bleiben lassen sollen. Ein Teil der „elitären“ Spiegel-Leser war über diesen Frevel entsetzt. Besonders folgenden Argumente fand ich interessant:

  • Frauen lesen zwar mehr als Männer, dafür aber auch mehr „nutzloses“ Zeug“.
  • Frauen lesen keine „wichtigen Werken der Menschheitsgeschichte“, keine „großen Klassiker“ und keine „wirklich literarisch anspruchsvollen Bücher“.
  • Die meisten „Frauenbücher“ seien unsäglicher Schund.
  • „Frauenliteratur drehe sich noch immer zu 99% um die Suche nach Mr Right“.
  • „Weibliche(!) Autorinnen(!) mit Qualität suche man immer noch vergebens“.

[Quelle: Spiegel Online Kultur]

Allerdings frage ich mich, wer die acht trivialen Krimis in die Top 20 gepuscht hat. Wahrscheinlich auch wir „anspruchslosen“ Frauen. Und ob ‚Er ist wieder da‘ zu den „literarisch anspruchsvollen Büchern“ zählt, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Die Abteilung „Belletristik ist voller Trivialliteratur“, zu der aber auch ‚Moby Dick‘ oder ‚Die Abenteuer des Tom Sawyer‘ gehören, um nur zwei Beispiele zu nennen. Denn auch diese „Weltliteratur“ war zu ihrer Zeit trivial.

Vielleicht sollten einige Kritiker mal von ihrem hohen Ross herunter kommen und triviale Liebesromane nach ihrem Inhalt beurteilen und nicht nach dem, für wen sie geschrieben wurden. Banales gibt es nämlich auch in anderen Kategorien genug.

 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit.
Eure

 

 

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